Reise durch Wirklichkeiten

Mittwoch, 8. Mai 2019

Geflügelhandel und EU


Wie sehr die Geflügelhaltung als Massentierhaltung in der EU um sich gegriffen hat, dafür ist Ghana ein gutes Beispiel. Hühnchenbrust scheint als Verkaufsware bei uns sehr angesagt zu sein. Geradezu zum Lifestyleprodukt scheinen sie geworden zu sein. Alles andere am Huhn wird oft genug nach Afrika exportiert. Die „Hühnererzeugung“ und Produktion wird in der EU allgemein hochsubventioniert. „Ausgediente“ Legehennen (früher: „Suppenhühner“) finden in Europa sowieso keine Verwendung mehr. Wenn die Legeleistung der Legehennen sinkt, wird das Tier zum Kostenfaktor. 31 Millionen von ihnen werden allein in Deutschland pro Jahr „ausgesondert“ und geschlachtet. Die geschlachteten „Produkte“ werden dann meist nach Afrika verkauft. Tiefgefroren und verpackt. Die Küstenländer in Westafrika und Zentralafrika sind dann Abnehmer. In ihnen werden sie dermaßen billig feil geboten, dass die heimische Geflügelindustrie keine Chance dagegen hat. Folge: Die Exporte dorthin haben sich seit dem Jahr 2000 offenbar mehr als verdreifacht. Länder wie Nigeria, Kamerun, die Elfenbeinküste oder Senegal schützen ihre einheimische Industrie durch Importverboten. Doch es scheinen genügend andere afrikanische Länder zu bleiben, mit denen die EU sogenannte „Freihandelsabkommen“ schließt (oder sie dazu erpresst). Ghana hat ein solches Abkommen auch. Insofern wird es von europäischen Hühnerfleischprodukten zu Dumpingpreisen geradezu überschwemmt, die ghanaische Industrie ist inzwischen zerstört.

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