Reise durch Wirklichkeiten

Freitag, 5. September 2025

Vorwärts

Es tat weh: Die Anpassungsmechanismen der anderen (immer die anderen!!), das alltägliche Buckeln, bloß keine Empfindlichkeiten zeigen: das sanktionieren die Kollegen sofort mit Liebes- , das heißt letztenendes Geldentzug. Mit Mobbing auch. Mit den kleinen und großen Zeichen. Mit bereit gestellten Fallstricken. Du musst funktionieren. Zum Beispiel darfst du als Selbständiger nicht krank werden. Das kannst du dir nicht leisten. Sofort rückt jemand anderes an deine Stelle. Von deinen „Kollegen“ dorthin beordert. Du bist austauschbar, auch wenn du dich selbst für einmalig hälst. Malus. Wieso haben die anderen so wenig Abstand zu dem, was sie tun? Wieso können die sich so identifizieren mit ihrem Job, mag er noch so entfremdet sein? Sie haben doch alle studiert, haben sich im Blick geübt, der im Alltäglichen das Unalltägliche aufsucht, der die Distanz zu den Dingen und zu sich selbst sucht. Oder etwa nicht? Waren sie nur ausgebildet worden? Für ein späteres Funktionieren? Haben sie sich die Analysemethoden angeeignet, um zu erkennen, dass in solch ein- und abgeschlossenen Verhältnissen, in solchen betrieblichen Strukturen die Macht wohnt und die Machtausübung anderer implizit eingeschlossen ist? Ob solche Ansichten auf Möglichkeiten etwas zu idealistisch gedacht sind? Sich in den Elfenbeinturm des akademischen Betriebs flüchten? Funktionierte auch schon besser. Wie kann man das so akzeptieren, sich zu eigen machen? Die Rolle, in die man hinein dressiert wurde? Ob das etwas mit unserem Bildungssystem zu tun hat? Schon die dauernd praktizierte Formulierung „Wir“. Wer ist wir? Die Gesellschaft? Der Betrieb? Derjenige, der stark ist? Der sich ein Monopol erobert hat? Ob der Begriff instrumentalisiert wird? Schon oft instrumentalisiert wurde? Wir sind stark. „Wir schaffen das“. Ein beliebter und in bestimmter Autorschaft berühmt gewordener Spruch unter Politikern, an „die Leute“. Wer ist wir? Der, der dich entlässt und dir Lohnzugeständnisse abringt, wenn er es für nötig hält (jawohl, immer noch meist ein „er“ und keine „Sie“). Der dafür das Geschwätz vom „Strukturwandel“ allzeit parat hält, gerade jetzt, im Rahmen einer rigide steigenden Wachstumsorientierung. (Das Getue um die sogenannte „Globalisierung“ ist ja ein bisschen ins negative Gerede gekommen...bzw. Nicht mehr so in Mode? Man spricht jetzt viel über „Lieferketten“)? Dann bist du als Selbständiger plötzlich nicht mehr „der Betrieb“. Bist ein unfähiger Einzelner. „Der Betrieb“ ist der, dessen „Chefs“ riesige Karossen fahren, die sie als Statussymbol direkt vor dem Eingang parken. „Der Betrieb“, dass sind doch die Kaufleute, die Manager, die alles Wichtige diktieren. Die ganze Vertriebsgebiete kaufen und verkaufen. Alles Wichtige hat auf dieser Erde mit Geld zu tun, nicht mit Geist, so scheint es in deren Logik. Sie müssen immer wieder den Stallgeruch pflegen, auf jeder Konferenz. Sie müssen miteinander anstoßen, sich übers Fußballspiel unterhalten, sich Witze erzählen, über die sie dann gemeinsam geradezu zwanghaft lachen sollen. Das auch an jedem Geburtstag, den irgendein „Kollege“ hat. Dann werden kleine Tischen aufgestellt und wird Gemeinsamkeit zelebriert. Auch wenn offiziell ein “Arbeitnehmermarkt“ herrscht. Du selbst wirst dir dann ein Fremder. Verlierst den Kontakt zu dir, während sie ihn zu kultivieren und pointieren scheinen - wofür sie dann Crash-Kurse besuchen. Die Sehnsucht danach, sich irgendwo wiederfinden zu können treibt viele aus dem „Wir“. Du, der du dir selbst einmal so sicher warst, ohne selbstsicher sein zu können. Wo warst du hingekommen? Wurdest locker abgeschoben. Hattest dich längst verloren in der Mechanik. Der Funktionalität. Der Normalität. Und musstest dankbar dafür sein. Die Ermüdung, die Trägheit, deine Feinde. Andere Menschen haben ein anderes Temperament, eine andere Tatkraft. Eine andere Vitalität und ein anderes Vertrauen darin. Sie begegnet dir. Du solltest mehr Empathie aufbringen. Was ist das? Sich in jemanden hinein denken? Notwendig, Zeichen der Kultur. Letztenendes sind wir aber allein. Da besteht eine Spannung.

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