Reise durch Wirklichkeiten

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Reality hopping

Mir wurde jetzt wieder einmal klar, in welch unterschiedlichen Lebenswelten wir uns aufhalten: Ich wurde einst Journalist mit dem Bestreben, möglichst viele Lebenswelten kennen zu lernen, auf diese Weise etwas über die Welt erfahren, auch weil ich gelernt hatte, dass ökonomische oder soziale Determiniertheiten unsere Wahrnehmung stark beeinflussen. Auf diese Weise kam ich eine Zeit lang durch allerlei soziale Milieus und war in der privilegierten Position, Leute das fragen zu dürfen, was mich interessierte. Tatsächlich erweiterte sich mein Wahrnehmungshorizont dadurch und ich kam einer umfassenderen, weniger durch soziale Determiniertheiten geprägten Weltsicht in einer Welt der Tatsächlichkeiten (ergänzend zu den Theorien, die ich auf der Universität mitgekriegt hatte) auf die Spur. Das heißt: Ich begab mich auf eine Reise durch (sozial geprägte) Wirklichkeiten. Mit dem Stichwort „Reise“ meine ich eine gewisse Beweglichkeit, eine Neugier auch auf andere Horizonte, ein Heraustreten aus der eigenen Wahrnehmungswelt, andere Ansichten zur Welt, andere Einordnungen, das spielerische Einnehmen von Positionen, die Einsicht in eine relative Gültigkeit bringen, die anderes, das Andere, ja auch das Fremde grundsätzlich zulässt, ja, die sogar neugierig darauf ist. Dass Ansichten der Welt aus kulturellen und sozialen Gegebenheiten heraus nahezu programmiert sind, habe ich in der Soziologie gelernt. Dass damit oft Machtfragen zusammen hängen, brachte mir die Politikwissenschaft bei.

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