Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Montag, 25. August 2025
Konservativ
Was steckt hinter dem Konservativismus? Ja ja, ihn gibt es in Reinkultur kaum. Abseits der Universitätsseminare scheint das Thema auch erledigt, wenn nicht unsere Wirklichkeit in mannigfacher Hinsicht von einer Art zeitgenössischem Konservativismus geprägt wäre. Das Gegenteil von Konservativismus gibt es offenbar nicht (mehr)? Disruption? Hier aber doch ein paar Basisvermutungen, Idealtypisches: Ist es der Wunsch, dass alles so bleiben möge, wie es ist? (Restaurative Wendung: „wie es war“). Von scheinbar eherner Stabilität gekennzeichnet? Ein rechtsstaatlich Verkleidetes, monetär abgezwungenes und den „unteren Ständen“ abgerungenes „Recht des Stärkeren“? Da sind Gewinner und Verlierer (unabhängig von einer historischen oder sozialen )? Gegebenheiten. Im Gegensatz zu einem Willen zur Veränderung. Die feste Überzeugung, dass man die Macht des Faktischen auf seiner Seite habe. Dass die Wirklichkeit und die sie unterstützenden Personen sie nach konservativem Vorbild immer wieder schaffen: die „Konstruktion der Wirklichkeit“. Alles ist so, wie es ist. Es wird auf eine gewisse Trägheit von Menschen spekuliert, insofern, als man sich erst mal im real Existierenden einzurichten habe, um dann über andere Möglichkeiten unverbindlich nachzudenken zu können (In Diktaturen: dürfen). Die Wirklichkeit ist zäh, oft von Gewohnheiten oder Routinen bestimmt und vom rücksichtslosen Gewinnstreben geprägt. Eine Neigung zu korruptivem Verhalten (Begünstigung von „Buddies“) kann hier beobachtet werden. Ein Operieren in den Grauzonen der Macht. Ein hierarchisches Denken, das finanziell starken Individuen (Oligarchen, „Alphamenschen“) eine Position der Machtfülle zuweist und sie als „durchsetzungsstark“ adelt. Eine Nähe zur alles bestimmenden Staatsmacht („der Staat hat immer recht“) geht auch oft voraus. „Law and Order“ lautet hier das Stichwort. Härte gegenüber dem Individuum. „Durchsetzen“, notfalls mit Gewalt. Denn alle Gewalt geht ja vom Volke aus, ist also demokratisch legitimiert. So das propagandistisch verstärkte Credo. Schwierig ist dabei eine Abgrenzung zum Totalitären. Eine Grauzone entsteht. Auch eine gewisse Fixiertheit auf „das Traditionelle“ ist oft damit verbunden. Die dauernde Rückkopplung an die Überprüfung am Überlieferten und Überkommenen, dem scheinbar Sicheren. So wird eine konservativ träge Menge zur Knetmasse politischer Erregungstechniker. Dazu gehört auch, dass konservative Kräfte gerne im Bereich der Korruption arbeiten, dass sie ihre Gunst geldwert ihren Lakaien und Speichelleckern auf dunklen Wegen zugute kommen lassen. Und ihre Günstlinge mit gigantischen Bevorteilungen meist finanzieller Art bedenken.
Das Staatstragende mag wohl abgenommen haben zugunsten eines Selbstverständnisses, das sich an demokratischen Prozessen vorbei mittels disruptiver Mechanismen als eigentliche Gestalter des Daseins definiert. Naturgemäß wird auch von konservativer Seite gerne „das Nationale“ in Anspruch genommen, freilich nur die nicht revolutionären aufsässigen Elemente, was sich in Fahnenschwenkereien und Hymnengrölerei erschöpft. Beliebt ist auf dieser Seite auch, den Rechtsstaat auf allen Seiten zurück zu drängen, ihn mit allerlei Mitteln abzuschneiden. Dass „das Nationale“ in der Vergangenheit abhängig von seinem Kontext unter teilweise blutigen Opfern auch eine verändernde Rolle gespielt haben mag, wird dabei gerne verschwiegen.
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