Reise durch Wirklichkeiten

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Metal

Aus meinem Buch "Hinhören" (s.84) Mein Nachdenken über Musik hatte mich nie soweit gebracht, freiwillig in ein Metal-Konzert zu gehen. Ich fand's furchtbar, musste aber jetzt als Freier Journalist sogar darüber schreiben, musste mir etwas möglichst Substantielles dazu abringen. Der Redakteur schickte mich jedenfalls in solche Konzerte, was die Erweiterung meines musikalischen Horizonts stark beförderte. Ich ließ mich nämlich nach und nach auf ein Codesystem ein, das ich bislang vermieden hatte, dem ich auch nicht beigekommen war. Ich begriff, dass es sich hier um einen musikalischen Code handelte, um Tribalismus und eine Art, sich mitzuteilen. Dass dies alles in den Umständen verankert war, dass „die Betäubungsmaschine“, - wie ich es an anderer Stelle genannt hatte, - gut und hörbar laut funktionierte. Ich war näher an Ritualen dran, an Mechanismen, an einem kollektiven Gebaren, über das ich mit der Zeit immer mehr dazu gelernt habe. Verstehen? Was war das angesichts eines blinden Einverstandenseins und vitalistischen „im Krach sein“? Ich hätte so etwas nie für meine eigene Person akzeptiert, gestand es aber anderen jederzeit zu. Ich registrierte das und versuchte, es besser zu verstehen. Das Unangepasste und Raue als Mythos, an den man sich klammert, der einem auf einer Bühne symbolisch vorgeführt wird: Mit lauter vorgestanzten Gesten und dem dazu passenden Habitus. Ich war distanziert, ich hatte Ironie - und Sympathie dafür. Das Kollektive und die zu ihm passenden Ausgleichs- oder Ablassventile studieren: ob ich es mit dem kalten Blick übertrieb? In dieser großen Stuttgarter Schleyerhalle spielten gleich vier Bands aus dieser Riege. Ich musste reportieren, dauere es, solange es wolle, - ich war natürlich sogleich zur Stelle.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen