Reise durch Wirklichkeiten

Freitag, 8. Mai 2026

Mit Giant Sand nach Tucson

Wir fuhren einst durch die Wüste von Arizona. Auf der Straße lagen tote Klapperschlangen, es war heiß und einige Polizisten, die uns kontrollieren wollten, erzählten freundlich, dass sie einst in Heidelberg stationiert waren. Man dachte oft an das, was die einschlägige Szene „Wüstenrock“ nannte. Giant Sand war wohl die bekannteste dieser Bands, aus deren Splitter sich auch die besonders in Deutschland bekannten Calexico rekrutierten. Der etwas schlampige Mariachi-Sound, also der von knarrzigen Trompeten, verstärkt mit anderem Gebläse, war eines der Kennzeichen dieses Sounds. Der Spiritus rector des Gaint Sand-Sounds jedoch war Howe Gelb, ein stets etwas zerstreut wirkender und musizierender Kopf, der mit langen knarrzigen Gitarrenimprovisationen, unflexiblem Gesang oder erratischen Improvisationen am Piano brillierte und mit weiteren sprunghaft musikalischen Augenblicksassoziationen sein Publikum zu fesseln vermochte. Merkwürdige Klangerzeugnisse drangen da oft auch aus seinen Tonkonserven, die im CD-Format gerne als neue „Alben“ verkauft wurden und doch nur ein kleiner Teil eines lang währenden Klangkunstwerks waren. Giant Sand waren in wechselnder Bestzung um Howe Gelb herum stets von der elektrischen Gitarre ausgehende klanglichen Experimente, die live oft ewig um sich selbst mäandrierten und in einem durchaus den Eindruck von in lauter Splitter zeriebenen Sandwüsten aufsteigen lassen konnten. Sandsturm? Gigantischer Giant Sand? Seltsame Stimme, die da im vermeintlichen Selbstgespräch auf das Publikum hernieder kam. Die Stadt Tucson mit ihren zerfallenen spanischarchitektonischen Bauten, von wo es hinauf gen Observatorium und auf der anderen Seite hinauf an gigantischen Kakteen (Saguaros) vorbei ins kahle Reich von Bären ging. Ob da die Wüstengitarren „alternativ“ tobten?

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