Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Sonntag, 28. September 2025
Zeitgeistpop
Populäre Musik spielte immer schon mit vorgegebenen Formen, mit den Codices des Wohlfühlens. Der Entwicklung der Gesellschaft entsprechend gab sie sich in einem bestimmten Verhältnis dazu individuell, bildete den Zeitgeist der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts mit eigenen Mitteln ab. Sie war in Grenzen individuell. Beispielsweise ein Bob Dylan nahm die Formen auf, die ihm der Zeitgeist und das Grundgefühl des Aufbruchs gab. Aber auch die Inhalte. Er füllte die vorgegebenen Schablonen mit Eigenem auf. Die Prozesse der Vereinheitlichung, die eine größere Skalierung und Nivellierung zugunsten der Profitabilität bringen, auch der maschinellen Automatisierung, sind nach und nach so in die Popmusik eingezogen, dass sie mit der Zeit zu einer Entindividualisierung geführt haben, zu einem anonym vorgegebenen Wohlklang, der zunehmend normiert ist und von vorgebenen Codes bzw. Mustern abhängig ist, die nur noch minimal variiert werden. Überraschungen, die etwa durch die Individuen eingeben werden, sind selten geworden. Die vom anglophilen Markt zu uns vordrängende Popmusik ist stromlinienförmig, anonym und gleichförmig geworden, hörig den vorgegebenen Mustern. Es könnte darüber so etwas wie Schwarmintelligenz entstehen. Doch der Produktionsdruck, einen vorgegeben Output zu einer festgelegten Zeit abliefern zu müssen, ist größer.
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