Reise durch Wirklichkeiten

Freitag, 24. April 2026

linksalternativ

Dies umgab einen als Milieu, ohne dass man sich zwangsläufig damit auseinandersetzen musste. Man nannte es „linksalternativ“ (Die Grünen als Partei wollen es beerbt haben...). Es ging um so etwas Diffuses wie „ein besseres Leben“. Für alle. Das war der soziale Gedanke dabei. Man schätzte Basisdemokratie, verabscheute Hierarchien, sah Bürokratie und Technik grundsätzlich skeptisch, bevorzugte das Spontane, Unmittelbare, strebte dem „Ganzheitlichen“ entgegen. Unverfälscht man selbst zu sein, kreativ und experimentell zu leben, selbstbestimmt, aber gerade nicht konventionell, sich nicht fangen lassen von Routinen, das markierte ein Ziel. Abzweigungen führten schließlich ins Autoritäre, Pädophilie war gelitten, schwule Emanzipationsbewegung und überhaupt, Emanzipation war angesagt. Harte Wohnungsnot gab es schon. Hausbesetzungen, Selbsthilfe und Radikalisierung galten als Reaktion darauf. Die alternative „Sorge um sich“ hat gegen den Willen der Akteure Charakterzüge befördert, die im Einklang mit gesellschaftlichen Trends standen. Vinyle Schallplatten sammeln und sie auf wahnsinnig teuren Anlagen abhören, die Zubereitung von exklusiven Delikatessen, Geheimnisse der Patchwork-Kindererziehung, das Einsickern in politische Strukturen, die sich mit Städtebau befassten, mit Beziehungsarbeit, mit Lebensstilen und Sexualpolitik. Gemeinsam aber blieb stets das „anti-autoritäre“ und emanzipatorische Element, mochte es noch so in den Nebeln des Diskurses verschwunden sein. Es galt eine neue Wärme zwischen den Menschen zu entwickeln. Es galt, etwas „an sich heran zu lassen“ und „sich einzubringen“ oder „offen darüber zu reden“. Ein konkretes Problem unter vielen war da auch die Trennung von Kopf- und Handarbeit. Ach, passe´. Wo sind sie alle geblieben, die Alternativen. Karriere gemacht? Voran gekommen ohne Wärme energie? Das Zöpfchen hinten am Schopf zeigte die „befreite Sexualität“, die ja doch nur der kurzfristigen Belustigung diente und in gesellschaftlichen Fraktionen zum unverbindlichen Spass hin unterging. Er diente gerne mal auch zur Definition einer gesellschaftlichen Kaste, der es materiell glänzend ging und deren Mitglieder ihr Tun vor allem zum eigenen, vor allem finanziellen Nutzen und Frommen betrieben. Es galt, „erfolgreich“ zu sein, im Geiste der einstigen Hippies, deren Existenz auch auf einen bestimmten Lustgewinn ausgerichtet war. Fett. Feist. So war man, fühlte sich aber nicht so. Vergangen, vergessen.

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