Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Donnerstag, 26. Februar 2026
Meine Fotos
Meine Fotos sind hauptsächlich Abbildungen dessen, was mir im Alltag oder in der Betrachtung des Alltags begegnet ist. Keine großartige KI-Montagen, nichts Spektakuläres, nichts besonders Treffendes, nichts von dem, auf dem das Auge wohlgefällig ruht. Eher das Gewöhnliche, „Normale“, das, was einem unvermittelt in mittlerer Qualität begegnet. Mir kommt es oft so vor, als würden relativ viele Leute immer noch daran glauben, dass jegliche Fotografie die Wirklichkeit abbildet. Hauptsache, technisch hervorragend. Wenn`s geht: die schöne Seite der Wirklichkeit, so, wie sie Social Medias oder die Hochglanzmagazine der Reisesehnsucht abbilden. Nicht das, was typisch für eine bestimmte Person ist. Wer interessiert sich denn schon dafür? Eigentlich müsste sich jeder fragen, ob es sich bei den visuellen Eindrücken, die auf ihn herein brechen, um eine gestellte Wirklichkeit handle. Eine in bestimmtem Interesse manipulierte Seite der Wirklichkeit. Retouchiert in Nettigkeit. Wie das geht, ist an anderer Stelle nachzulesen. Es gilt, Reflexe abzurufen, das scheinbar „Schöne“ so abzubilden und zu manipulieren, wie das Tausende vor einem gemacht haben. Nur besser sein. Höher, schneller, weiter. Das Klischee, Paris Eiffelturm, Männeken Piss und typische, vorgegebene Instagram- oder Tictoc-Motive usw. Am Rande eines Abgrunds. Hinausgebogen. Fotografie ist die größte Bewusstseinsmanipulationsmaschine der Welt: Es werden Massen von Fotos ins Netz geladen und damit auch Massen von Lügen. Es werden Ideale, zb der Einstellung zum eigenen Körper gegenüber, ausgegeben und verkauft. Aber auch das Politische macht da gerne mit: da werden Kampagnen gefahren und Propaganda für schlimmste Greueltaten abgesondert. Die eigene Politik „verkauft“.
Mittwoch, 25. Februar 2026
Geld, wem Geld gegeben
Irgendwo in einer Stadt im Norden wird offenbar ein Pissoir für 1 Million gebaut. Ein journalistisch aktiver Showmann sagt „Die können halt mit dem Geld nicht umgehen“ und zitiert damit fast schon einen Gemeinplatz. Dann kommt raus, dass sich zwei Staatssekretäre haben beurlauben lassen, bei vollen Bezügen zwei Jahre lang, um sich „in der Wirtschaft“ für „gutes Geld“ wieder anstellen zu lassen. Natürlich alles auf Steuerzahlerkosten bei hohen Altersbezügen. Die hochwohlgeborenen Vorgesetzten verteidigen offenbar solches Verhalten auch noch in der Öffentlichkeit. Wie abgefahren ist denn sowas? Wer täuscht hier wen? Wieso macht man sowas? Weil man`s kann? Weil alles irgendwo so hergebogen wird, dass es dann schon irgendwie passt? Und sei es in einer Parteihierarchie. Mittlerweile gibt es sogar schon Fernsehsendungen über dieses Thema, das Politiker aller Couleur am liebsten totschweigen würden. Ach, der Staat! Der haut halt all unser Geld raus! Achtlos, weil es halt da ist! Dann wird „mehr arbeiten“ gefordert, „Zahnersatz selbst zahlen“. Ob man da auch mal nach den Cum-Ex und Cum-Cum-Vorgängen sehen müsste? Ob da nicht auch etwas einzusparen wäre? Hm.
Dienstag, 24. Februar 2026
Delegiert
Wobei mich Zweifel überfallen: Wenn irgendwelche ehemalige oberschlaue Musterschüler im Fernsehen in geschlossenem Kreis zusammensitzen, um mit Empfehlungen garniert bestimmte Maßnahmen zu preisen. Gerne wird dabei mit speziellen Kenntnissen geprahlt, die das eigene Selbstverständnis abstützen und gleichzeitig Legitimation nach außen demonstrieren sollen. „Hey, seht her; wir sind die Durchblicker….!“ soll dies wohl ausdrücken. Was mich daran stört: Solche Posen haben viel zu wenig die Fortschritte in gewisse gesellschaftliche Richtungen befördert. Sie wiesen meist eine Berechtigung aus, an gewissen Konferenzen über viele viele Flugmeilen und Honorare hinweg teilzunehmen, an den Talkshows der Wichtigen teilzunehmen, scheinbar „wichtige“ Vorträge zu halten und - nichts zu bewirken. Es steigt in dieser Gesellschaft ein Nebel an Geschwafel auf, der bei genauerem Hinsehen meist direkt interessengeleitet ist und eher zur Verwirrung als zu Klärung beiträgt.
Es gibt wohl zahlreiche Politikwissenschaftler, die dies als ein modernes Zeichen einer Bewegung zum Totalitarismus deuten: gezielt Verwirrung stiften. Ein „mündiger Bürger“ würde sich angesichts dessen im Idealfall ein eigenes Bild machen (was schwer genug ist…..) und danach alle vier Jahre wählen: eine Partei, eine Bewegung, die dem entspricht, was ihm am ehesten einleuchtet. Leider stehen dem oft auch Gründe mangelnder Zeit entgegen (wer kann sich schon genau damit befassen?), was ökonomisch begründet sein könnte. Es fällt wohl jedem auf, dass dies in Zeiten einer digitalen Transparenz und Durchschaubarkeit bestimmter Prozesse zu wenig sein könnte, um demokratische Mitbestimmung und „Aufschung“ zu demonstrieren. Was also folgt daraus? Die „demokratischen Eliten“ könnten sich als vielleicht weniger geschlossene Gesellschaft darstellen, sie könnten auf eine breitere und klarere Erklärung von Umständen zielen. Sie könnten versuchen, die allgemeine Bevölkerungen bei ihren Beschlüssen und Maßnahmen mitzunehmen, erklären ins Einfach hin, ohne populistisch zu werden. Weniger Distinktion und Arroganz wäre angesagt, mehr Nähe zum Alltag der Vielen……, in einer fortgeschrittenen Gesellschaft, die sich gerne als solche präsentiert.
Montag, 23. Februar 2026
Heimat
Darin, was Heimat sein soll und wie sie geschützt werden soll, zeigt sich insofern auch die Spaltung der Gesellschaft. Es resultierten daraus verschiedene Lebenswelten, verschiedene Schichten, verschiedene Arten, mit der Welt umzugehen. Sehr offensichtlich wurde dies übrigens in den Berichten über prominente Amtsträger, die ihre Sprösslinge auf teure Internate und Privatschulen schicken und keineswegs daran zu glauben scheinen, was sie selbst dauernd predigen. Der empirische Beleg für eine solche Behauptung könnte tatsächlich sein, dass sie ihre Sprösslinge auf diese teuren Schulen schicken. Sie haben ein Bild von sich entworfen, das in einem Gegensatz zu ihrer „privaten“ Existenz steht.
Dass es nicht darum gehen soll, woher man kommt, könnte aber auch ein Mythos sein, ein Wunschbild. Denn Heimat ist gerade nicht nur Option und freie Wahl. Man ist bedingt durch das, was schon war. Heimat ist gerade nicht das, was man durch freien Willen sich wählt. Sondern man ist hinein gewachsen. Auch durch Sozialisation. Man versteht die Leute in dieser Heimat unwillkürlich besser, sie sind einem auf eine seltsame Art nah, man agiert und bewegt sich wie selbstverständlich, wie im Schlaf. Es scheint eine Art realer Traum zu sein. Es gibt den Ort der Geburt als Schicksal. Man ist hinein geboren worden, hat ihn sich nicht heraus gesucht. Wir sind nicht nur autonome Menschen, die sich ihre Existenz frei gewählt haben. Wir sind auch durch unsere Herkunft und unsere Geschichte, durch Zufälle, Glück und Unglück geprägt. Man ist hinein geworfen. Wie sang Jim Morrison (klar, ich weiß, dass er das möglicherweise auch geklaut hat): „Riders on the storm, into this house we're born, into this world we're thrown, Like a dog without a bone, an actor out on loan, Riders on the storm“.
Sonntag, 22. Februar 2026
Heimat (1)
Man lässt sich zurück gleiten, Richtung Heimat, Richtung Ursprung, man begegnet sich selbst und denkt darüber nach, wieso man so ist, wie man ist. Wieso man so geworden ist.... Es kann auch bedeuten, dass man anfängt, zu akzeptieren, nicht gerade einzigartig zu sein, sondern Teil von etwas Größerem. So etwas deutet vielleicht auf Schwarmintelligenz hin und das, was später von den Kundigen allzu oft als „Herdenimmunität“ beschworen wurde. Und dann ist da das Oberflächliche. Das, was einen als gerne verkündete „Lebensweisheit“ oder als mühsam erarbeitete Erkenntnis ermüdet hat. Tausend mal gehört, tausend mal nichts passiert. Das, dass tausend Leute um einen herum sagen: „Man muss in der Gegenwart leben“. Klar. Man blickt auf die Kindheit zurück, sieht Bilder und Fotos von sich und denkt: „Wer zum Teufel war das?“ Das ist eine Ebene. Es gibt womöglich auch andere. Dinge stoßen einem zu, sie „überfallen“ einen.
Gab es intensive Erlebnisse? Die einem die eigene Präsenz nahe legten? Wie war das damals, als du aus dem Auto gefallen bist? Hattest du danach das Gefühl, du hättest einen Schutzengel gehabt? Wieso hast du so günstig abgeschnitten? Gibt es mögliche Welten, Abzweigungen? Die dich geprägt haben? Hat man wirklich Entscheidungen gefällt? Oder haben sie dich gefällt? Ich hatte nie das Gefühl, Wichtiges und für andere Erhellendes zu erzählen zu haben. Das ist nach wie vor so. Weder im fiktiven noch im realen Bereich. Alles, was möglicherweise auf mich zutrifft, stellt sich bei anderen ganz anders dar......
Ich merke das und ich nehme immer intensiver wahr, wie mich heute viel mehr gesellschaftliche Mechanismen kümmern, von denen die Rockmusik auch einer unter anderen ist. Wobei es oft um Reiz-Stimulationen geht, um das kurzfristige Hervorrufen von Emotionen, - wovon die Werbeindustrie gerne Gebrauch macht. So wird auch immer öfter im Rahmen von Fußballspielen geredet, bzw. herumgeschrien: „Das war mal wieder richtiger Rock'n Roll“! R&R wird offenbar mit purem Vitalismus identifiziert. Ob Metal etwas mit abgeführter Aggression zu tun hat? Wieso scheint das notwendig? Blitzableiter? Ob das auch per Tonträger passieren kann? Ich weiß nur, dass sich unzählige Bands Mühe geben, durch handwerkliche Präzision, Darstellung von Leidenschafts- und Jubelposen dem Ausdruck zu geben. Wobei der erste Impuls, auch beim Kritiker, derjenige ist, „berührt zu sein“. Nur erscheint mir das als etwas Undifferenziertes, als eine Art Grundmaterial, dem es nachzuspüren gilt, dem es eine halbwegs persönliche Form zu geben gilt.
Samstag, 21. Februar 2026
Politmobilität
Es kommt einem so vor, als würden „Verantwortungsträger“ und Entscheider in dieser deutschen Gesellschaft das Problem „Klimawandel“ nicht mehr ganz ernst nehmen. Jedenfalls scheinen das Problem viele von ihnen nicht auf sich selbst und ihren Bereich zu beziehen, was sich auch daran zeigt, dass sich laut einer Meldung sämtliche Spitzenpolitiker in Riesenkarossen durch die Landschaft fahren lassen. Es fiel mir selbst schon früher auf, aber ich hoffte, dass hier besondere Maßnahmen eingeführt worden seien dergestalt, das stillschweigend nur gewisse, auf den neuesten technischen Stand gebrachte Karossen gebraucht würden. Pustekuchen. Wieder einmal muss man sich getäuscht sehen. Der Politikverdrossenheit und dem allgemeinen Misstrauen Politikern gegenüber ist sowas womöglich extrem förderlich. Das Misstrauen wächst, ohne dass dies große Schlagzeilen erzeugen würde. Dass sich jetzt wohl eine „prominente“ Person im Zug durch deutsche Landen dabei ablichten lässt, wie sie neben Koffern am Boden kauert, mag zwar eine realistische Perspektive für jedermann abgeben. Dass sie offenbar aber eine Teilstrecke im 1. Klasse-Abteil saß und sich mit allerlei Annehmlichkeiten verwöhnen und umsorgen ließ, bleibt fotomäßig offensichtlich unbeachtet. Offenbar ist diese Person inzwischen von zahlreichen PR-Agenten umgeben, die ihr nicht immer die richtigen Ratschläge geben. Jedenfalls mag auch so etwas ein gewisses Misstrauen in allgemein kolportierte Images erwecken. Dass bei solchen zweifelhaften Aktionen die Umwelt weit über Gebühr belastet wird, scheint den Entscheidungsträgern egal. Klimawandel hin oder her. Hauptsache Geld und Wachstum.
Freitag, 20. Februar 2026
Staatsraison
Wer sagt denn, dass der „Staat“ gleich bedeutend mit der Allgemeinheit sein muss? Wer sagt denn, dass die „Trickle-Down-Theorie“ richtig ist, die uns weiß machen will, dass wenn es den Reichen und Kapitalsäcken gut gehe, dass dann irgendwann auch die Übrigen, also die Lohnabhängigen, von deren Reichtum profitiere? Dass das privilegiert und von den oberen Schichten erworbene Geld einsickere auch in die weniger wohlhabenden Schichten? Andererseits: Der Staat will Steuern einnehmen und setzt dazu alle Hebel in Bewegung. Er hat das Recht auf seiner Seite, egal, ob er demokratisch legitimiert ist oder nicht. Hierzulande ist dies angeblich so, um den Erlös der sozialen Wohlfahrt (also Kindergärten, Alten- und Krankenpflege, soziale Umverteilung usw.) zugute kommen zu lassen. Dies scheint mir ein Totschlagargument von der Sorte, die man immer einsetzen und gebrauchen kann.
Tatsache ist, dass die Steuern in Staaten offenbar ineffektiv eingesetzt werden und noch niemals gesenkt wurden, dass sie in der Vergangenheit vor allem „die Armen“ betrafen, die eine gewisse Partei in Deutschland mit den "nicht Leistungsfähigen und Willigen“ identifiziert. Ich habe immer noch in den Ohren, wie ein Finanzminister Deutschlands jüngst in einer Diskussionsrunde meinte, man könne sich nun (fast) alles leisten….“. Na, wenn das so wäre, wieso strebt man dann ein seltsam und allgemein so ausgegebenes 5%-Ziel bei den Verteidigungsausgaben an?, und das ganz besonders, wenn man sich mit der Meinung auseinander setzen muss, dass das Problem der deutschen Armee vielleicht kein Geldproblem, sondern ein Beschaffungsproblem sei (u.a. sichtbar an der „Einführung des digitalen Funks)?“. Wieso muss ein seltsamer Sparkurs zur Rechtfertigung einer katastrophalen Vernachlässigung der Infrastruktur immer noch herhalten? Hat diese Demokratie keine Mittel, um Schlaglöcher auf der Straße zu reparieren? Hat die politische Opportunität dermaßen stark eine Eigendynamik entfaltet, dass man glaubt, Zielsetzungen wie Wirtschaftswachstum um jeden Preis verfolgen zu müssen? Wieso glauben Journalisten direkt und indirekt dem Großkapital sekundieren zu müssen, um dies den Opfern ihrer Einstellungen auch noch als „Stimme der Vernunft“ zu verkaufen ("Man kann nur ausgeben, was man auch eingenommen hat")? Ob das am Ende gar etwas mit voraus eilendem Gehorsam zu tun hat und ob so etwas mit dem Ethos zu vereinen ist, den solche Leute gerne beschwören?
Donnerstag, 19. Februar 2026
Im Alter
Weil sie im ökonomischen Sinne nicht mehr mitstricken am Bruttosozialprodukt, weil sie in einer Gesellschaft der vermeintlich Starken zu den eher Schwachen gehören, fühlen sich viele ältere Menschen ausgegrenzt. Dabei könnten sie phantastische Lehrer sein, - bei einer durchaus aufgeklärten Distanz zur eigenen Position kombiniert mit einem gesunden Skeptizismus. Ja, auch das hat man im Alter gelernt: Die eigene Position ist nicht immer die einzig richtige. Und so gibt es viele Erkenntnisse, die im Alter gewachsen sein könnten und in einer Kombination aus Erfahrung mit Wissen weitergegeben werden könnten. Viele Bauchlandungen der verschiedensten Art könnten auf diese Weise verhindert werden. Jaja, die Anpassungsfähigkeit den Neuen Medien und überhaupt dem Neuen gegenüber! Vielleicht könnte hier aber auch eine gewisse Distanz helfen! Nicht das blinde Nachrennen gewissen Entwicklungen gegenüber wäre gefragt, sondern ein abwartendes, langsames und eher kritische Fragen stellendes Nachfolgen. Und. Das bewährte Wissen in Kombination mit dem Neuen kann zu Ergebnissen führen! Erlebte Geschichten wollen in ihrer Bedeutung für den aktuellen Tag erkannt und gedeutet werden! Gelassenheit und Unaufgeregtheit können zu dem Schatz dessen gehören, was auch dem aktuellen Tag samt seiner Hektik sehr nützen kann. Da schlummert ein Reservoir, das mit zunehmender Dynamik der Demographie und einer freundlich abnehmenden Vorurteilsfähigkeit gehoben werden könnte. Oh ja, das mag sich auch auf gewisse körperliche Anfälligkeiten beziehen: Wir werden nicht alle so stark bleiben, wie wir uns heute fühlen! Damit umgehen zu können, es einzubeziehen ins tägliche Dasein, könnte auch etwas von dem ausmachen, was wir von reiferen Menschen profitieren könnten.
Mittwoch, 18. Februar 2026
Mitbewerber
Meine Beobachtung ist, dass in unserer Gesellschaft eine massive Tendenz zur Vereinzelung herrscht, was ein Gefühl der Verlassenheit hervorbringt. Auf der politischen Ebene sind die Parteien längst nicht mehr fähig, dies Volk zu integrieren. Vertreter der High-Brow-Kultur (Hochkultur) konstatieren das und geben geschmäcklerisch die (noch) Unbeteiligten, für deren wirtschaftliche Existenz „gesorgt ist“. Sie sind wohlerzogen und gut gekleidet. Ihr Verhalten gründet in einer Nicht-Auseinandersetzung, bzw. einem feindlich competiver Umgang mit „Mitbewerbern“. Leuten wie mir hingegen ging und geht es darum, die Wirklichkeit abseits der Wahrnehmungsbubbles anzuerkennen und sie besser zu verstehen. Ein zielführender Begriff diesbezüglich scheint mir diesbezüglich „Empathie“ zu sein. Dem gegenüber steht das „Geschäfte machen“ also der Übervorteilung des Anderen, das „Deal-making was leicht dem „Wachstum“ zugeordnet wird. Es geht um Anpassung an Strukturen, die ich persönlich für mich viel zu wenig ernst nahm. Verpönt ist das humanistisch Moralische. Dagegen wird Pragmatismus und Interessenpolitik gestellt.
Dienstag, 17. Februar 2026
Spiritualität
Dass die Spiritualität so etwas wie der Gegenpol, der Widerpart der Religion in unserer zeitgenössischen Gesellschaft sei, habe ich jetzt oft gelesen. Gottesdienste scheinen schlecht oder nur noch von einer kleinen Zielgruppe regelmäßig besucht zu sein. Sie seien aus Mangel aus Interesse und Personal zusammengelegt, fusioniert, rationalisiert. Wo es früher 5 Gottesdienste in benachbarten Gemeinden gegeben habe, seien sie nun aus Mangel an Interesse und mangels Zuspruch zusammengelegt zu einem einzigen. Die Amtskirche mit ihren Beamten und dem Verwaltungsapparat habe ausgedient, habe ihre Attraktivität gänzlich verloren. Dass „die Kirche“ auch zahlreiche soziale Aufgaben in einer Gesellschaft wahrnimmt und allgemein zu einer Stabilität beitragen könnte, kommt in einem solchen Weltbild nicht vor. Grundgesetz? Kein Mensch wisse mehr, was eine von christlich-jüdischen Werten geprägte Deutung der Wirklichkeit und als "heilig" empfundene Verfassung überhaupt sei. Was könnte angesichts dessen also Spiritualität überhaupt sein? Was verstehen wir darunter?
Es mag bei ihnen nicht darum gehen, Dogmen nachzubilden, sondern offen zu leben. In ihnen gehe es vor allem um Erfahrung, also um etwas Persönliches, um Selbsterkenntnis, um einen Übergang zu einem Zustand, der zu einer Befreiung führt. Ob dies freilich auch in dieser Form schon wieder verallgemeinert werden kann? Wo ist die Abgrenzung zur Esoterik und magischen Ritualen? Wundersteine, Händelesen, Pendeleien..... Dekorationen für das äußere und innere Leben? Es gibt ja ganze Messen, die die Vielfalt des Esoterik-Supermarktes feilbieten. Alles hat seinen Preis, so scheint das über allem stehende Credo dort zu lauten. Sehr viele esoterische Praktiken haben sich halt auch dadurch kompromitiert, dass sie sich im marktwirtschaftlichen Sinne mit einem Preis versehen haben, dass sie sich eingefügt haben in ein neoliberales Weltbild, in dem jeder sich sein Seelenheil zu einem vom Markt bestimmten materiellen Preis „erwirbt“. Ohne Kohle kein Seelenheil, so hat die Basis einer solchen Praxis oft gelautet. Oft sind dann auch noch autoritäre Strukturen, Guru-Konfigurationen und „Meister“-Verehrungen gefolgt, die meist den finanziellen Ruin des Gläubigen und den frech zur Schau gestellten Luxus des „Führers“ (jawohl, es waren in dieser Funktion meist Männer, die sich selbst zum „Erleuchteten“ oder „Auserwählten“ verklärt haben. Ob das etwas über eine toxisch machistische Kultur aussagt?) Ob aber das seelische Heil von einer bestimmten Organisationsform abhängt, etwa in den „Christlich-abendländischen“ Religionen? Ob es etwas gibt, das zumindest als Sehnsucht im Innern ist und für den modernen Menschen mit seinem ach so wissenschaftlichen Weltbild erschlossen werden kann? Speist sich ein solches Bedürfnis auch aus der Erfahrung der Urhorde, die sich in kriegerischen Auseinandersetzung mit anderen befunden hat und dabei Seelentröstung und -heil verlangte? Hm, das erscheint dem modernen Menschen nicht erlaubt. Galt es, die tiefsten Bedürfnisse, die im Diesseits nicht zu erfüllen waren, ins Jenseits zu verlegen? Ob ein Gebet das Schicksal oder den Lauf der Dinge verändern kann?
Montag, 16. Februar 2026
Wachstum
Ich habe auf einem Zettel folgende Notiz gefunden, die möglicherweise in diesem Blog schon erschienen ist. Nicht nur in diesem Blog! Ich habe sie aber aus aktueller Sicht versucht, zu bearbeiten. Was dabei heraus gekommen ist, ist hier zu lesen: Die Lotterie des Lebens bedeutet: wir leben hier noch in einer Gesellschaft der bürgerlichen Grundrechte, in der zwar dem Wirtschaftswachstum vieles geopfert wird, aber im Scheine einer großen sozialen Ungleichheit noch nicht die Bürgerrechte, den Rechtsstaat, die Demokratie. Gleichwohl ist – nicht zuletzt durch manche Provokation! - um diese Werte ein heftiger Kampf entbrannt. Wie gut diese Werte mit dem Wert Wachstum zu vereinbaren sind, mag erst mal dahingestellt bleiben. Auch seltsam toughe und durchoptimierte Ministergesichter spiegeln diese Spannung in Deutschland wieder.
In anderen Staaten (besonders denjenigen mit gewissen autoritären Zügen, die mit „bürgerlichen Grundwerten offenbar nicht allzu viel anfangen können...) scheint dagegen das Wachstum über alles zu gehen, sogar über das menschliche Leben. Führer schwingen sich auf, erobern oder behaupten die Spitze, bis auch sie unter Umständen sogar niedergemetzelt werden. Das Leben in seiner vitalistischen Funktion erlebt auch heute noch fröhliche und dekadente Urständ': Fressen, Saufen, Ficken. Oder wie T.S. Elliott es ausdrückte: „Birth, Death, Copulation, that's all....“. Fortschritt könnte bedeuten, einen kleinen zivilisatorischen Schritt darüber hinaus zu wagen, - weil wir Menschen sind. Vielleicht.
Dass dieser Gedanke weltweit auf dem eindeutigen Rückzug erscheint, gehört zur großen Tragik des menschlichen Geschlechts, genau so, wie die selbstverursachte Klimakatastrophe, die damit verbundene Umweltzerstörung und das Artensterben. Der Mensch will sich wohl als „Alleinherrscher“ die Erde untertan machen. Dabei könnte alleine schon der Ausbruch eines Supervulkans seine Existenz in kurzer Zeit vernichten. Von Bedrohungen aus dem Weltraum wie etwa niederstürzenden Meteoriten oder Asteroiden ganz zu schweigen. Woher nimmt der Mensch seine Arroganz, seinesgleichen gegenüber, aber auch der Erde und ihren Geschöpfen gegenüber? Es ist leicht, solche Überlegungen als „moralisch“ oder ideologisch abzuqualifizieren, sie als untauglichen Versuch darzustellen, über das unvermeidlich Faktische kritisch (also nicht per KI!) nachzudenken. Dabei wäre dies scheinbar „unvermeidliche“ keineswegs so. Es sind dies Denk- und Verhaltensformen, die sich schwache Menschen zu eigen gemacht haben, die glauben, vom gegenwärtigen Zustand profitieren zu können.
Sonntag, 15. Februar 2026
Blogwarnung
Meine Blogs wollen der offene Schirm, der Screen und, der Radar der Information sein, die uns zunehmend in verschiedenen Formen umschwirrt und sich uns über verschiedene „Kanäle“ aufdrängt. Dieser multimediale Schirm hier funktioniert wie mein Gehirn: Überprüfung oder gar journalistische Verifizierung ist dabei allzu oft nicht möglich. Außerdem versuche ich, bestimmte Themen zu vermeiden: einfach, weil ich mich in ihnen unsicher fühle. Zudem vermeide ich möglichst Namen und Logos, weil ich die juristischen Folgen solcher „Frechheiten“ in diesem „Rechtsstaat“ fürchte. In allem sind wir ausgeliefert, sind auf das Gebotene angewiesen, suchen uns heraus, wählen etwas, deuten es nach unseren Möglichkeiten.
Wie etwas wirklich ist?: Wer weiß? Es kommt oft auf die Perspektive an. Ich versuche nach Möglichkeit zu vermeiden: das Einzelne, Konkrete, weil so etwas sofortige rechtliche Schritte gegen mich nach sich ziehen würde. Meinungsfreiheit?Es handelt sich um eine Art legaler Bedrohung. Weil mir dies Konkrete oft auch unwichtig und als unnötige Aufwertung des besonders Aktuellen auf Kosten des Allgemeinen erscheint. Meine Gedanken, meine Gefühle, meine (subjektiven) Erfahrungen und Erlebnisse sind dabei unbedingte Ausgangsposition, - meistens nicht an dem Zeitgeist oder dem Aktuellen orientiert, - die ich in eine möglichst kompakte Form ohne Wahrheitsanspruch bringen will. Der genuine Journalismus praktiziert etwas anderes, das sich deutlich davon unterscheidet, was ich hier vorführen will.
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My blogs want to be the umbrella, the screen and the radar of the information that is increasingly buzzing around us in various forms and is being forced upon us. This umbrella works like my brain: checking and journalistic verification is all too often not possible. Also, I try to avoid certain topics: simply because I feel insecure about them. I also avoid names as much as possible because I fear the legal consequences. We are at the mercy of everything, relying on what is offered, looking out, choosing something, interpreting it according to our possibilities.
How something really is?: Who knows? It depends on the perspective. I try to avoid as far as possible: the individual, concrete, because something like that would result in immediate legal action against me. Because this often seems unimportant to me and an unnecessary upgrading of the current at the expense of the general. My thoughts, my feelings, my (subjective) experiences are an absolute starting point - usually not oriented to the zeitgeist or the current situation - which I want to bring into a form that is as compact as possible without claiming to be true. Genuine journalism practices something different, which is quite different from what I want to present here.
Samstag, 14. Februar 2026
Freitag, 13. Februar 2026
Vernünftig unvernünftig?
Was lese ich da? Einen Text aus den 80er Jahren? Aufschrieb, für wen? „Angesichts der Erfahrung, dass nicht die eigenständige, moralisch verantwortlich handelnde Persönlichkeit das öffentliche Leben dominiert, sondern eine konformistische Vielheit, deren Meinungsdruck individuelle Entfaltung zu verhindern droht und sich nicht weniger als Fessel, denn als den Autoritäts- und Traditionsbindungen der Gesellschaft folgt. Dies sprach außer der bürgerlichen Vernunftidealisierung nur noch die provokative Wirksamkeit eines Außenseitertums zu“…..ob das den damaligen Zeitgeist markiert? Den der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts? Zur Info: es ging bei diesem Textausschnitt um den englischen Denker John Stuart Mill (1806 - 1883)
Donnerstag, 12. Februar 2026
Verkehrsgebaren
Wir fahren unsere Kiste und werden plötzlich geblitzt! Den gut im Verborgenen platzierten Kasten hatten wir nicht bemerkt. Schitt! Wieder hereingefallen! 3 km/h zu schnell gefahren, knallt einem das amtliche Schreiben alsbald mit einem imaginär erhobenen Zeigefinger samt Verwarnungsgeld entgegen. Kommunen geben sich als Wegelagerer und scheinen dem Bürger so viel Verwarngelder abzupressen wie möglich. Offenbar schon längst für das Stadtsäckel eingeplant sind diese Gelder von den „zuständigen Beamten“. Ob so etwas auch zur Politikverdrossenheit beiträgt? Ob das irgendwie überzeugend wirkt von denen, die Gesetzesvorlagen einbringen und draußen vor der Tür in einen von einem schlecht bezahlten Chauffeur gelenkte Limousine steigen, die selbstverständlich auch der Steuerzahler finanziert hat. Das steht denen zu!, habe ich dazu gehört. Die wissen das! Die können das! Das ist deren Alltag! Die haben keine Zeit! Es hat einmal ein früherer Kanzlerkandidat bemerkt, dass er sich doch nicht auf die harten Bänke eines Golf setzen würde! Da muss ein „richtiges Auto“ her! Nun, das zeigt eine gewisse Distanz zwischen den Mächtigen und denen, die ihnen die Macht verliehen haben.
Mittwoch, 11. Februar 2026
Reality hopping
Reality hopping
Mir wurde jetzt wieder einmal klar, in welch unterschiedlichen Lebenswelten wir uns aufhalten: Ich wurde einst Journalist mit dem Bestreben, möglichst viele Lebenswelten kennen zu lernen, auf diese Weise etwas über die Welt erfahren, auch weil ich gelernt hatte, dass ökonomische oder soziale Determiniertheiten unsere Wahrnehmung stark beeinflussen. Auf diese Weise kam ich eine Zeit lang durch allerlei soziale Milieus und war in der privilegierten Position, Leute das fragen zu dürfen, was mich interessierte. Tatsächlich erweiterte sich mein Wahrnehmungshorizont dadurch und ich kam einer umfassenderen, weniger durch soziale Determiniertheiten geprägten Weltsicht in einer Welt der Tatsächlichkeiten (ergänzend zu den Theorien, die ich auf der Universität mitgekriegt hatte) auf die Spur. Das heißt: Ich begab mich auf eine Reise durch (sozial geprägte) Wirklichkeiten. Mit dem Stichwort „Reise“ meine ich eine gewisse Beweglichkeit, eine Neugier auch auf andere Horizonte, ein Heraustreten aus der eigenen Wahrnehmungswelt, andere Ansichten zur Welt, andere Einordnungen, das spielerische Einnehmen von Positionen, die Einsicht in eine relative Gültigkeit bringen, die anderes, das Andere, ja auch das Fremde grundsätzlich zulässt, ja, die sogar neugierig darauf ist. Dass Ansichten der Welt aus kulturellen und sozialen Gegebenheiten heraus nahezu programmiert sind, habe ich in der Soziologie gelernt. Dass damit oft Machtfragen zusammen hängen, brachte mir die Politikwissenschaft bei.
Dienstag, 10. Februar 2026
Freitag, 6. Februar 2026
Identitätsbildung
Eine Identität durch Abgrenzung von den „Anderen“ herauszubilden, dafür Verhaltensmodelle und werthaltige Hilfestellungen zu entwickeln, scheint ein Hauptinhalt jeglicher Rockmusik gewesen zu sein und immer noch zu sein, obwohl sie in der heutigen Freizeitwelt schon sehr viel an Bedeutung eingebüßt hat und kaum noch Bedeutung außerhalb des gänzlich Subjektiven und vor allem (!) der Profitmaximierung eines Unterhaltungsgewerbes trägt. Dass eine solche Identitätsbildung vor allem in der Jugend, - genauer: in der Pubertät - vonstatten geht, mag zum iuvenilen Mythos der Rockmusik beigetragen haben. Das gilt besonders für die fünfziger Jahre, als sich solche Mechanismen im Rahmen der veränderten Freizeitgewohnheiten und finanziellen Ausstattungen von Jugendlichen herausbildeten.
„Doch jetzt schnell ins nächste Metal-Konzert:
Engel aus Metall recken die Faust Luzifer zum Gruße, diabolische Monster grinsen von T-Shirts, kriegerische Embleme und Totenköpfe auf Lederjacken, erstaunlich viele Männer mit tätowierten Armen: kein Zweifel, das schafft das richtige Ambiente für ein zünftiges Heavy Metal Konzert. Hard'n Heavy Rock nennt man's gelegentlich auch, und das heißt wörtlich übersetzt etwa: ein harter und schwerer Brocken.Und das ist es auch, was das Publikum beim Konzert erwartet. Zunächst heizen zwei (!) Vorgruppen die Stimmung für den Hauptact des Abends an, die eine derartige Lautstärke produzieren, dass das kritische Ohr danach schon vollkommen betäubt ist und nach einer Pause verlangt, die aber leider zu kurz ausfällt.“
Donnerstag, 5. Februar 2026
Drei Klafter tief
Drei Klafter tief
Raus aus dem Eis
raus auf die Straße
Geister haben uns begrüßt
sie schlagen eine lange Nase
das ist Routine
das ist der blaue Panzer
Sag alles ab
die Nacht schluckt dich auf
denke schräg, schließ die Augen
die Zeit ist ein kleiner Fluchtpunkt
trau'rige Linien
im Sand ein blaues Vergessen
Refr.
wir haben geatmet
wir waren präsent
waren bei uns selbst für Momente
fang' endlich an, fang' die Tangente
die sich selbst in der Unendlichkeit trifft
Der Zeiger drückt
die Uhr tickt lauter
hab meine Person verzettelt
hab etwas verloren in der Enge
Acht Meilen hoch
und drei Klafter tief...
Mittwoch, 4. Februar 2026
Zimmerreisen
Ich lese manchmal hinein, mein Verweilen ist kurz, im Extremfall ein paar Sätze nur, ich lasse mich inspirieren, durch Texte, die mir wertvoll geworden sind und die auch in Kürze ihren Gehalt offenbaren. Diesmal war es mal wieder das Buch Xavier de Maistre, Reise um mein Zimmer. Es liegt ständig bereit. Ich möchte aus dem Anfang des 2. Kapitels zitieren:
„Ich könnte die Lobrede auf meine Reise damit beginnen, dass sie mich nichts gekostet hat; dieser Punkt verdient Beachtung. Er ist hier vor allem für weniger bemittelte Leute von Bedeutung; es gibt eine andere Gesellschaftsklasse, bei der ein glücklicher Erfolg aus demselben Grund, weil es nichts kostet, noch sicherer ist. – Bei welcher also? Wie! Sie wissen es nicht? Bei den reichen Leuten. Von welchem Vorteil ist im Übrigen nicht diese Art zu reisen für die Kranken! Sie werden die Unbilden des Wetters und der Jahreszeiten nicht zu fürchten brauchen. – Für die Hasenfüße, sie werden gegen Diebe gefeit sein; sie werden weder auf Abgründe noch auf Morastlöcher stoßen. Tausende von Menschen, die vor mir nicht gewagt, andere, die nicht gekonnt, schließlich andere, die zu reisen nicht beabsichtigt hatten, werden sich auf mein Beispiel hin dazu entschließen. Würde das schwerfälligste Geschöpf Bedenken tragen, sich mit mir auf den Weg zu machen, um sich ein Vergnügen zu verschaffen, das ihm weder Mühe noch Geld kosten wird? – Also, mutig vorwärts!“
Dienstag, 3. Februar 2026
Zufriedenheit
Zufriedenheit, was ist das für ein Wert? Anscheinend streben wir das alle an. Doch wenn irgendjemand zufrieden wäre, würde der Kapitalismus lahmen und würde (und nicht nur der! womöglich liegt das an der menschlichen Natur, falls es die gibt...) sofort zusammen brechen. Denn dieser strebt unentwegt ein Mehr und Noch mehr an. So war es schon im Mittelalter. Wer damals König wurde und sein Reich hatte, war selten zufrieden damit. Er wollte mehr erobern. Auch die Einnahme des Nachbarreiches konnte ihn nicht befriedigen. Er wollte noch eines und danach noch ein weiteres. Und so schuf er sein Imperium. Diese Neigung, auf Erfolg mit dem Verlangen nach dem Mehr zu reagieren, ist möglicherweise Teil der menschlichen Natur. Auch Marx griff in seiner Bedürfnistheorie auf dieses Erkenntnismuster zurück. Der Kapitalismus baut darauf auf, ist aber nicht die Ursache.
Montag, 2. Februar 2026
Selbstoptimierung
Sich in Posen werfen. Sie wollen gut aussehen. Wollen Spass haben. Hier ein Strähnchen, dort ein passender Lippenstift. Mal dick, mal dünn aufgetragen. Abgetragen. Hier ein vielsagendes Lächeln, dort ein bedeutungsschwangerer Ausdruck im Gesicht. Möglichst makellos gestylt und mit einem Lächeln. Glatt passend. Ausstellen eines perfekten Selbst. Jeder in sich selbst verliebt. In das Bild, das er von sich hat und bearbeiten lässt. Weichzeichner. Alles ist schön. Selbstverwirklichung ist normal. Wahrnehmen, bewundert werden, gehasst werden. Schönheitschirurgie, Stoffe und Stimulanzien, die auf unser Gehirn einwirken und uns leistungsfähiger machen sollen. Neuroenhancer. Unbedingt der Durchschnittlichkeit entkommen. Schönheit als der Weg zur Perfektion. Jung aussehen. Falten mit Botox wegspritzen, die Lippen aufspritzen, die weibliche Brust vergrößern.
Das Ideal einer jungen unverbrauchten Vagina herstellen: Reparieren zu einer Art unverbrauchten Barbie. Muskelkraft für Frauen, antrainieren, - aber schnell! Stark sein. Fit sein. Alles im Griff haben. Der Tracker wirft Zahlen aus. Liefert Motivation zur Verbesserung. Überhaupt: Durch Gesundheit leistungsfähiger werden. Das Gehirn optimal nutzen und unter anderem die Konzentrationsfähigkeit damit steigern. Das Liebesleben optimieren. Den Nachwuchs sichern, pränatale Diagnostik und Crispr. Ob daraus ein Zwang zum makellosen Kind werden kann? Danach Förderwahn und eingepflanzte Chips. Mehrere Instrumente spielen und etliche Fremdsprachen lernen. Auf Leistung, Konkurrenz und Wettbewerb dressiert. Im Drang nach Selbstverbesserung leben. Noch besser werden. Noch schöner. Noch perfekter.
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