Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Montag, 5. Januar 2026
Traumtheater
Aus den neunziger Jahren:
Rock-Spagat und Bocksprung - Dream Theater in der Rockfabrik
Ludwigsburg - Kann denn das funkionieren?Musik für Heavy-Metal-Fans und für Freunde des Kunstrock?Für Leute, die's gerne laut haben wollen und gleichzeitig für diejenigen, die konzentriert zuhören können? Von Leuten, die als naive Rock'n Roller und intellektuelle Schöngeister gelten dürfen? Solch faustischen Rock-Spagat führt die amerikanische Band Dream Theater seit vier Jahren vor und sie findet tatsächlich ein wachsendes Publikum dafür. Dies zeigte sich auch in der schier aus den Nähten platzenden Rockfabrik Ludwigsburg, wo Dream Theater jetzt ihren Tournee-Weg durch Deutschland begannen. Viel zum Mitklatschen und -Singen kam die Gefolgschaft allerdings nicht. Die diesbezüglichen Versuche bei den wenigen dafür geeigneten Passagen wirkten geradezu rührend.
Denn sprunghaft und allzeit überraschend geht's in Träumen zu, das monotone Gleichmaß ist ihnen fremd: das musikalische Traumtheater von der amerikanischen Ostküste begann heftig rockend, um dann plötzlich in einem musikalischen Bocksprung alle klischeehaften Erwartungen abzuwerfen, und die Phantasie befreit aufspielen zu lassen. Passagen, die an King Crimson oder Gentle Giant erinnerten, wechselten mit zappaesken Einschüben und melodiösen Gitarren-Ausflügen a la Joe Satriani, an dessen Virtuosität John Petrucci durchaus herankommt. Trotzdem verloren sich Dream Theater nie in einem eklektizistischen Zitatrock, sondern wirkten bei aller kalkulierten Komplexität frisch, direkt und originell. Sänger James LaBrie verzichtete auf die üblichen Posen und zog sich besonders bei den längeren Stücken diskret zurück, während Keyboarder Kevin Moore weniger wegen seiner Virtuosität, sondern mit ungewöhnlichen Einfällen und einem überlegten Soundkonzept brillierte. Geradezu beispielhaft zeigte er, wie die einst so beliebten Tasteninstrumente nicht nur als Begleitung in einen Gitarrenorientierten Heavy-Rock-Kontext einzubetten sind, wie selbst Synty-Soli dort wirkungsvoll zu integrieren sind. Aber auch Schlagzeuger Mike Portnoy und Bassist Myung glänzten mit Ideen, ohne sich in Selbstgefälligkeiten zu verlieren. Noch manches wäre von der musikalischen Qualität dieser Band zu berichten. Da Dream Theater in Zukunft noch viel von sich reden machen werden, mag dies an anderer Stelle geschehen.
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