Reise durch Wirklichkeiten

Dienstag, 13. Januar 2026

Anhaltspunkte, Kriterien

Ein paar Gesichtspunkte meiner ehemaligen Tätigkeit als (Pop)Musikkritiker, etwas, was etwas Schwieriges, etwas ernsthaft Gespieltes auf meine Weise umkreist: Es geht manchmal um Raffinement, aber auch um erkennbaren Gestaltungswille. Es geht um Originalität und Individualität, um Wiedererkennbarkeit und um Prägnanz. Passt das gut in ein Umfeld, in ein Repertoire, in eine „Darbietung“? Ließ sich damit eine Spannung erzeugen, hat das Ganze einen Unterhaltungswert, kann es uns reizen?… Aber es gilt in der Pop- und Rockmusik auch der kurzfristige Kick. Das springt einen an, das packt einen, das bindet unsere Aufmerksamkeit, abseits der per KI praktizierten Phrasen. Wir sollten registrieren, ob uns da etwas in der Sprache der Musik „mitgeteilt“ wird, populär ausgedrückt „kommt da etwas rüber?“. Es gilt auch der Knalleffekt, das Grelle auch, das, was einen unbewusst sofort packt und augenblicklich berührt. Nicht nur das akademisch Abgefahrene. Da ist etwas auf dem ganzen Hintergrund unserer Hörerfahrungen. Ja, wird da überhaupt etwas außerhalb eines Hedonismus mitgeteilt, mit dem wir in Gleichklang sein wollen? Gibt es da eine gefühlte Verbindung, fließt da eine Energie zwischen Interpret und Konsument? Inwieweit sollte ein Ohr geschult und bereit sein, über Grenzen zu gehen, das Unbedingte zu ahnen? Den Gleichklang, das Gefühl „so und nicht anders“ ist es richtig. Und jetzt wird es geradezu esoterisch: Da ist das gewollt Oberflächliche, das etwas „auf den Punkt bringt“. Es wird dann hoffentlich erkennbar: Ist da so etwas wie eine Haltung? Und da ist immer noch der Eindruck, dass hier jemand gut spielen und sich ausdrücken kann. Jeden Trick und Kniff hat er drauf. Meine Aufgabe ist es, das zu erkennen es zu beurteilen. Auch im technischen Können kann sich ein Künstler offenbaren. Aber ob das reicht? Bloß nicht einseitig werden, bloß nicht abstürzen! Das „technische“ Können orientiert sich vor allem daran, was gespielt/gemacht werden soll. Es ist vielleicht Mittel zum Zweck – und nicht Selbstzweck.

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