Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Donnerstag, 29. Januar 2026
Reich-Arm-Mensch
Diese Ungleichheit geht nicht mehr. Irgendwo ist die Grenze, so möchte man meinen. Auf der einen Seite die ärmere Hälfte der Menschheit. Auf der anderen Seite stehen etwa 50 000 reiche Menschen, wie etwa die wohlbekannten Elon Musk, Jeff Bezos und ähnliche Figuren. Diese Gruppe verfügt über etwa dreimal soviel Vermögen wie die andere Hälfte der Menschheit. Glasklare Zahlen. Ob das alles an ihrer „Leistung“ in dieser sich selbst so bezeichnenden Leistungsgesellschaft liegt? Diese Auseinanderentwicklung und Ungleichheit scheint derzeit noch weiter zu wachsen. Komische Figuren meist rechter Gesinnung wie etwa Donald Trump verteidigen dies bis dazu, dass sie solche Ungleichheit als eine Art Menschenrecht im Kapitalismus verteidigen. Meist knüpft sich darn die Leugnung des menschengemachten Klimawandels. Und: Der ärmeren Hälfte der Menschheit fehlt es oft genug an Essen oder an Bildung. Sie hat auch kein Geld dafür, die Folgen des Klimawandels abzumildern. Dafür verbrauchen die Reichen deutlich mehr an Energie, was für Klimaschaden verantwortlich ist, der vor allem die ärmere Hälfte der Erdbevölkerung trifft. Die ärmeren Menschen, die am wenigsten Schäden verursachen, sind also am stärksten von Klimawandel betroffen. Wir müssen uns hier in Europa die Freiheit nehmen, solche Dinge wenigstens zu erkennen, ohne gleich dem woken „Kommunismus“ zugerechnet zu werden.
Mittwoch, 28. Januar 2026
Baumfresst (Blaue Träume)
Baumfresst (Blaue Träume)
Immer bunter, immer munter, immer gut drauf
Wir fliegen und träumen - in das Nichts –
Wir fühlen und tanzen - in das Licht
uns berauschen derbe Triebe
wir sind immerzu bereit
sag mir nur ein Wort der Liebe
alles andre bin ich leid
leck Praline
Ekel lässt die Birne kalt
Nachtgestalt
kotz die Soße
ich glaub' ich steh im Wald
Strafanstalt
lass uns warten auf Gefühle
bis die Sonne golden scheint
ein Berühren ein Gedanke,
ohne Ende, das noch keimt
und (der nur) mich meint
(das mich meint)
immer fetter, immer krasser, immer noch ein Kick
Wir grunzen und stöhnen – nur im Kreis (mach mein Scheis)
wir gleiten und schweben – hack das Eis
uns beherrschen feiste Diebe
der Anzug macht dich heute (trottel-) fett
leck die Dame die ich liebe
alle Menschen sind so nett
schneller rennen
eine Motte (Schnecke) nutzt dich aus (nutzt mich aus)
niemals pennen
eine Gier, die spritzt heraus
(dicht) am Gipfel (bald) ist es aus
viele warten, alle glotzen
nur ein Spiegel schaut aus dir
blauer Gerd, ich seh dich kotzen
Deine Leiche stinkt nach Bier
nicht nach Dir
oder mir
uns berauschen herbe Triebe
wir sind immerzu bereit
sag mir nur ein Wort der Liebe
alles andre bin ich leid
Dienstag, 27. Januar 2026
Montag, 26. Januar 2026
Zeitgeist und Musik,
Ich gehe jetzt an meiner CD-Sammlung entlang und entdecke einiges, was ich mal wieder hören sollte und wollte. Was in meiner Tätigkeit als Popkritiker für eine Tageszeitung auch aus Zeitmangel untergegangen ist. Input an Geschmack. Referenz. Was mir einfach Vergnügen bereitet. Was ich mag. Es reizt mich regelrecht. Hat wohl auch mit Lustgewinn zu tun. Wieso war dies eigentlich im Rückspiegel verschwunden? Die Freude daran?
Oder jenes? Wär’ das was? Ich nehme die Scheibe heraus und betrachte sie: Es werden auch Spinnweben an ihr deutlich, direkt und im übertragenen Sinne. Da scheint ein immer größer werdender zeitlicher Abstand zu manchem zu sein, - etwas, was ich früher nie so empfunden hatte. Ob diese Spinnweben eine Art Zeichen sind - was ist eigentlich Zeit? Haha, Philosophisches? Mein Horizont scheint sich unwillkürlich wieder erweitert zu haben, seit ich mich nicht mehr regelmäßig in der Redaktion und deren hektischen Kurzfristigkeiten aufhalte. Den Kurzatmigkeiten des Tages. Der Hektik. Der Oberflächlichkeiten, die sich in Zeilen bemessen. Ich bin manchmal selbst erstaunt darüber und sehe die Gegenwart als meine neu gewonnene Perspektive, denn ich war ja sowieso nie wirklich zum „echten“ Journalisten geworden. Zum kundigen Informationstechnokraten. Zum öffentlich sich so verstehenden Vermittler. Darin war ich nicht wirklich gut. Oder besser: Da fühlte ich mich nicht wohl damit.
Samstag, 24. Januar 2026
Im Geldexpertentum
Leute, die viel Geld haben, glauben, Spezialisten dafür zu benötigen, die sie im Hinblick auf ihre Anlage beraten: „Experten“. Diese „Experten“ der Geldverwaltung sind rastlos dafür unterwegs, die Anlagen ihrer „Klienten“ zu erhalten oder - je nach Risikoprofil - sie trickreich zu mehren. Indem sie also versuchen, sämtliche Vorteile (inklusive „Steueroptimierungen“ oder gar „Cum-Cum oder Cum-Ex-Geschäfte), für ihre Klienten und letztlich sich selbst, zu erreichen, tragen sie mit dazu bei, die Kluft zwischen Arm und Reich zu vergrößern. Denn welcher „arme“ Mensch hat schon einen Anlageberater zur Verfügung und wäre dadurch „auf Augenhöhe“? Wer sich als Angehöriger eines schmaler werdenden Mittelstands unter Umständen bei den Banken beraten lässt (so wie es halt dem vergleichsweise „armen“ Menschen möglich ist), der wird oft in Fonds getrieben, von denen viele Leute und Institutionen profitieren, nur nicht der Eigentümer des Fonds. Solche Fonds scheinen mir oft Kapitalverwahrstellen mit hohen Nebenkosten zu sein, von denen meist Banken, Fondsgesellschaften oder deren Mitarbeiter profitieren. Für den Anleger selbst bleibt da oft nur eine schmale Rendite in guten Zeiten und hoher Verlust in schlechteren Zeiten. Ist halt so. Muss hingenommen werden. Basta! Verkaufen, gut. Aber was dann? Wer sich dann genauer einarbeiten und in relativ „erfolgreiche“ (was das ist, bestimmen die Fonds selbst, per für den Kunden oft intransparenter „benchmark“) Fonds (auch Upstarts und relativ unabhängige kommen da in Frage) investieren will, wird merken, dass die Rendite auch da unter Schwindsucht leidet und lächelnde Fondsmanger nichtsdestotrotz in den Medien sich großartige Sportwagen leisten und allerlei Erfolgsmeldungen verbreiten.
Freitag, 23. Januar 2026
Beliebig
Heute herrscht dieses „Wenn ihnen dieses gefällt, dann müsste ihnen auch jenes gefallen“…... Eine Beliebigkeit des Austauschbaren, des jeweils überall und jederzeit Verfügbaren. Ob da inzwischen auch menschliche Beziehungen hinzu gehören? Die Hinweise sind nicht gerade rar. Ja klar, der Algorithmus herrscht. KI kommt. Es hat sich eingeschlichen in die Gehirne und besetzt sie jetzt. Und zwar nach und nach, ganz langsam, dann immer schneller, so, dass es kaum ein Individuum merkt. Es schleicht sich ein und wird schließlich für etwas „Normales“ gehalten. Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass diese menschlichen Gehirne sich selbst auch nach technischen Rezepten verändern werden, - und zwar orientiert an kommerziellen und machtpolitischen Gesichtspunkten. Sie werden besser verwaltbar sein, ansprechbar, Reize werden gezielter und individueller verabreicht werden. Sie werden sich selbst immer mehr überführen in einen Zustand des digitalen Gespeichertseins, in die Verfasstheit einer generellen Machbarkeit. Die Pointe dabei: Kaum jemand wird das merken, denn es wird durch tausend Mechanismen nach und nach eingeführt in diese Wirklichkeit, es wird als „angenehm“ propagiert und es wird sehr schnell zur Selbstverständlichkeit, zum „Normalen“.
Donnerstag, 22. Januar 2026
Integrationsfallen
Punk als Bewegung, als musikalischer Impuls hatte ich in seiner ganzen Tragweite eigentlich gar nicht so richtig ernst genommen, damals, Ende der siebziger Jahre. Als dann die zweiten und dritten Revivals über uns hereinbrachen, waren das für mich zeitgeistbewegte Aufgüsse und Zitate, - aber ohne Überzeugungskraft. Das übliche, wenn junge Menschen sich abgrenzen wollen und müssen. Aufbegehren als Pose. Der nihilistische Impuls darin wurde mir erst später klar, das Aufbegehren, das darin lag. Im Rotzigen auch, im nicht Gefälligen.
Abgesehen davon, dass ich damals selbst musikalisch aktiv war und andere musikalische Sorgen hatte, dass ich an der Universität studierte und unbedingt zum Ende kommen wollte, verschwendete ich nicht viel Energie auf dieses Symptom, nahm dieser „Bewegung“ die Rebellion, den Protest nicht ab. Da waren für mich zu viele Äußerlichkeiten dabei. Dahinter war für mich der Impuls oft nicht zu entdecken. Man konnte eigentlich auch ganz gut Punk in sich selbst sein, da brauchte es keine Sicherheitsnadel in der Wange, etwas was ich ohnehin verabscheute und mindestens genauso verabscheue, wie all die unsäglichen Tatoos, die inzwischen mainstreammäßig jeder zu tragen hat, der etwas Individuelles nach außen bedeuten will. Außerhalb und eigenwillig sein, Prol, direkt - das war wohl die ursprüngliche Message. Doch leider hat sich das (genauso wie der „Heavy“ Metal) in Richtung Mainstream bewegt, ist akzeptiert, toleriert und integriert. Diese Integrationsfalle hat auch bei Punk zugeschnappt. Das System funktioniert so, dass es einfach alles integriert, was ursprünglich widerborstig war. Es wird zur äußerlichen Masche, zum Auftritt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Gegen den Strom schwimmen? Verweigerung? Das war vielleicht am Anfang so.
Dienstag, 20. Januar 2026
Jederzeit
Dies ist aus meinem Buch "Zuhören", s.78 "„Zuhören“ s.7/8 (FB27112025)
Ist es nicht so, dass heutzutage alles irgendwie und irgendwo immer präsent und abrufbar ist, dass eine gewisse (möglichst verkaufstechnische) Relevanz nur auf eine bestimmte ausgeforschte Zielgruppe trifft - und das möglichst schnell und effektiv? Dass oberflächliche schnelle Effekte zählen? Gags? Kicks? Sensationen? Möglichst platte Pointen? Virale Effekte? Influencergebaren? Ich nehme jetzt noch stärker wahr, dass Tonträger einst meine Emotionen getragen haben, meine Lebenswelt, dass sie mir Sinn gespendet haben, dass sie mein Leben begleitet und „eingefriedet“ haben. Dass sie mir Struktur gegeben haben, Ziele. Herausforderungen.
Ist es nicht etwa so, dass „die Leute“, das Publikum, die Leser damals mehr oder weniger direkt Orientierung erwarteten, - den Fingerzeig auf das, was „gut“ sei? Immer habe ich mich damit schwer getan. Ich hätte mit einer solchen Fähigkeit Lehrer werden können. Derjenige, der die Welt erklärt. Gut und Schlecht scheiden. Leider war ich nicht ein solcher. Anderen erklären, wie alles tickt? Hm, war nicht mein Naturell. Es lockte mich vielmehr immer so etwas, was man heute als „Dekonstruktion“ bezeichnet. Das Auseinandernehmen und neu Zusammensetzen - unter meinen eigenen Vorzeichen. Meinen eigenen Gesetzmäßigkeiten, meinen Einfällen und Gesponnenheiten entlang. Den schlauen, allwissenden und souveränen Autoren oder Lehrer zu geben lag mir nicht, auch was die Rock- und spätere Popmusik angeht. Es hat sich einfach zu vieles zu schnell zerfleddert, ehe ich es ernst nehmen konnte. Es änderte sich, ehe man es erfassen konnte."
Montag, 19. Januar 2026
Tausch
Heute herrscht dieses „Wenn ihnen dieses gefällt, dann müsste ihnen auch jenes gefallen“…... Eine Beliebigkeit des Austauschbaren, des jeweils überall und jederzeit Verfügbaren. Ob da inzwischen auch menschliche Beziehungen hinzu gehören? Die Hinweise sind nicht gerade rar. Ja klar, der Algorithmus herrscht. KI kommt. Es hat sich eingeschlichen in die Gehirne und besetzt sie jetzt. Und zwar nach und nach, ganz langsam, dann immer schneller, so, dass es kaum ein Individuum merkt. Es schleicht sich ein und wird schließlich für etwas „Normales“ gehalten. Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass diese menschlichen Gehirne sich selbst auch nach technischen Rezepten verändern werden, - und zwar orientiert an kommerziellen und machtpolitischen Gesichtspunkten. Sie werden besser verwaltbar sein, ansprechbar, Reize werden gezielter und individueller verabreicht werden. Sie werden sich selbst immer mehr überführen in einen Zustand des digitalen Gespeichertseins, in die Verfasstheit einer generellen Machbarkeit. Die Pointe dabei: Kaum jemand wird das merken, denn es wird durch tausend Mechanismen nach und nach eingeführt in diese Wirklichkeit, es wird als „angenehm“ propagiert und es wird sehr schnell zur Selbstverständlichkeit, zum „Normalen“.
Samstag, 17. Januar 2026
Donnerstag, 15. Januar 2026
Gut kommt besser (Lyrik ub)
GUT KOMMT BESSER (besser als voran)
Graue Thermostaten versperren uns die Sicht
der Senator trifft ins Schwarze
sieht im Wald die Bäume nicht
vom Hahn tropft kalter Schweiß
die Mücken spieln' Versteck
die Jacke gleicht der Hose
einen Fahrstuhl gibt es nicht
Sahnemischmaschinen drehen uns im Kreis
die Lieder werden schneller man sinkt jetzt wieder mit
REFR.
Die Masken auf - Masquerade los, knöpf den Regenmantel zu
Gut kommt besser, besser als voran Gut kommt besser, - als voran
Alle Sternengötter treffen sich im Klo
man spiegelt sich im Scheine
Astrophie macht Konjunktur
die Katzen bleiben cool
das Radio dirigiert Mancini
und abends ins Theater:
Mignon fährt jetzt Rolls-Royce
Schicksalsproduzenten zaubern Riesenräder
sie stellen wieder Fallen und schaukeln auf und ab!
REFR.
Der schöne Fred trägt sein Gesicht spazieren
schwarz ist groß in Mode
er sagt sich: Gute Nacht!
man hört ihn manchmal lachen
und keiner weiß wieso
sein Gesicht spielt immer heiter
dahinter blökt das Nichts
Champagnerfrösche quaken süchtig weiter
es kriegen sich die Sterne - der Mond bleibt heute leer
Wenn alle Schenkel gierig zittern
tritt Zampano auf's Podest
wünscht: Schluckauf!
am Sterz blüht ein Furunkel
man klagt jetzt weh und ach
Engel im Affenzimmer
treiben schnöd Frevelwitz
die alten Bärte sprießen wieder
neu unter rost'gem Helm hervor es läutet leis´ zur letzten Rund!
Mittwoch, 14. Januar 2026
Morgentraum (Lyrik ub)
MORGENTRAUM
Montagmorgens zehn, und lieg' noch im Bett
der Wecker weckt sich selber
und ich dreh' mich nochmal um
steh , heut' nicht auf, bleib' einfach liegen
und schon regen sich die Stimmen
Hey, faules Ekel hör doch auf mit dem Trödeln
Manche laufen hin und her, geschäftig und recht fleißig
sie suchen alle und wissen doch nicht was
ich geh' her und kassier' den Lohn der Angst
was kümmert mich das Morgen, ich will es jetzt
ich will es jetzt und nicht erst morgen
los komm mit vergiß deine Sorgen
Wir machen heut' alles nur zu unserem Spaß
im Garten der rosa Träume sind wir die Stars
wir fahrn' nach Honolulu und hörn auf zu friern'
wir fahrn' nach Berlin und sehn' uns in die Augen
Hey, faules Ekel hör auf mit dem Trödeln
Ich fang heut' morgen an wirklich zu leben
führ Norma Jean auf all' diese Parties
ich werf das Frühstück ein mit Dracula
und verlieb mich in die aufgehende Sonne
Hey, faules Ekel hör doch auf mit dem Trödeln.
Spring über meinen Schatten und spiel' mit den andern Löwen
geh ins Treibhaus und such nach einer Rose
und frag' den Kalif des neuen Lebens
ob wir das Paradies doch noch fänden
ich will es jetzt und nicht erst morgen
los komm mit vergiß deine Sorgen
ch will es jetzt und nicht erst morgen
los komm mit, vergiss deine Sorgen
Da läutet's wieder, das Ding gibt keine Ruh'
der Alltag hat soeben wieder aufgeholt
ich frag' mich: war das nur ein Traum?
oder bin ich soeben aufgewacht?
Dienstag, 13. Januar 2026
Anhaltspunkte, Kriterien
Ein paar Gesichtspunkte meiner ehemaligen Tätigkeit als (Pop)Musikkritiker, etwas, was etwas Schwieriges, etwas ernsthaft Gespieltes auf meine Weise umkreist: Es geht manchmal um Raffinement, aber auch um erkennbaren Gestaltungswille. Es geht um Originalität und Individualität, um Wiedererkennbarkeit und um Prägnanz. Passt das gut in ein Umfeld, in ein Repertoire, in eine „Darbietung“? Ließ sich damit eine Spannung erzeugen, hat das Ganze einen Unterhaltungswert, kann es uns reizen?… Aber es gilt in der Pop- und Rockmusik auch der kurzfristige Kick. Das springt einen an, das packt einen, das bindet unsere Aufmerksamkeit, abseits der per KI praktizierten Phrasen. Wir sollten registrieren, ob uns da etwas in der Sprache der Musik „mitgeteilt“ wird, populär ausgedrückt „kommt da etwas rüber?“. Es gilt auch der Knalleffekt, das Grelle auch, das, was einen unbewusst sofort packt und augenblicklich berührt. Nicht nur das akademisch Abgefahrene. Da ist etwas auf dem ganzen Hintergrund unserer Hörerfahrungen. Ja, wird da überhaupt etwas außerhalb eines Hedonismus mitgeteilt, mit dem wir in Gleichklang sein wollen? Gibt es da eine gefühlte Verbindung, fließt da eine Energie zwischen Interpret und Konsument? Inwieweit sollte ein Ohr geschult und bereit sein, über Grenzen zu gehen, das Unbedingte zu ahnen? Den Gleichklang, das Gefühl „so und nicht anders“ ist es richtig. Und jetzt wird es geradezu esoterisch: Da ist das gewollt Oberflächliche, das etwas „auf den Punkt bringt“. Es wird dann hoffentlich erkennbar: Ist da so etwas wie eine Haltung? Und da ist immer noch der Eindruck, dass hier jemand gut spielen und sich ausdrücken kann. Jeden Trick und Kniff hat er drauf. Meine Aufgabe ist es, das zu erkennen es zu beurteilen. Auch im technischen Können kann sich ein Künstler offenbaren. Aber ob das reicht? Bloß nicht einseitig werden, bloß nicht abstürzen! Das „technische“ Können orientiert sich vor allem daran, was gespielt/gemacht werden soll. Es ist vielleicht Mittel zum Zweck – und nicht Selbstzweck.
Montag, 12. Januar 2026
Richtungsweisend
Meine langen Haare hatten früher einmal etwas bedeutet. Ich spüre, wie ich mich jetzt verliere und mich immer schon verloren habe. Falsch abgebogen. Nicht richtig eingeschätzt. Die dauernd drohende Krise nicht richtig gesehen. Sie nicht gesehen, gerade weil falsch eingeschätzt, mich selbst falsch eingeschätzt. Fühle mich plötzlich sehr alleine. Ein Alarmzeichen? Dies kannte ich bisher nicht so konkret. Scheine von allen guten Genistern verlassen. Ich denke über die Situation nach, begreife aber nicht, sondern verschiebe lieber. Es ist lange her, dass ich um eine Person kämpfte, die ich sowieso nicht in Reichweite brachte. Das Genick dabei gebrochen? Amüsiert lese ich meine Zeilen aus meinem vorigen Leben. Aus vergangenen Phasen. Ich sitze jetzt und schlürfe einen Kaffee in mich hinein. Höre Musik und die Zeit vergeht. Ich sollte, müsste……. Konkretes, Pragmatisches hängt von mir selbst ab. Ich machte zu viele Termine und hatte keine Zeit für irgendetwas….hatte teilweise nicht gründlich genug zuvor recherchiert. Mich interessierten die Boulevardgeschichten und „das Drumherum“ zu wenig. Überflugmodus jetzt. Rückblicke. Die körperlichen Ausfälle werden kommen und mich bremsen. Ich bin bald 70 und plötzlich in dieses Alter hinein aufgewacht. Wow? Wo bin ich? Wer bin ich? Wie bin ich da hinein gekommen? Du hattest ein tiefes Gefühl für den Blues, durftest auch den Fado beschrieben. Die Tiefe, das darin versenkte Leid. Manchmal war ich den „falschen“ Menschen begegnet. Gegen Wände gelaufen. Du warst im Rennen, hattest zu viel Abstand und Ironie, trotzdem meinen Hut in den Ring geworfen. Das alles ist jetzt Vergangenheit. Dein Versagen. Deine Depression. Du lebst jetzt in der Stille mit dir selbst, weinst dich in Selbstmitleid aus. Ich zelebriere meine eigene Verletzlichkeit, habe gelernt, dass ich meist die Ausnahme bin, dass das Außerhalbstehen mein Weg ist....
Freitag, 9. Januar 2026
Verfall (Lyrik Georg Trakl)
Verfall (Georg Trakl)
Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.
Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.
Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,
Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.
Donnerstag, 8. Januar 2026
Erfahrung
All das, was durch meine Augen gegangen ist, mein Erleben, meine Erfahrung: kann ich`s bewahren? Festhalten? Was mich im wahrsten Sinne des Wortes berührt hat? Steckt auch in meinen Fotos. Versuch, es abzubilden samt all den unbewussten Beeinflussungen, von unten, von der Seite, von oben. In dieser Welt. Wir haben uns stets so begriffen, dass wir in einem Zusammenhang mit der gesamten Natur leben. Auch mit ihren garstigen und wenig romantischen Seiten. Dort, wo sich Natur und Kultur begegnen. Dass wir geprägt wurden, wie eine Münze, dass wir aber auch autonom aus uns selbst geschöpft haben. Wir geben zu, wir haben nicht immer nach unseren Vorsätzen gehandelt. Wir waren fahrig. Ich sammle halt nur Splitter meiner Zeit. Um mich herum: Zerstörung im Namen eines „Vaterlandes“, dem Begriff aus dem neunzehnten Jahrhundert. Peinlich. Wir hatten uns immer wieder als darüber hinweg gekommen gesehen. Es nicht ernst genommen. Ein Fehler. Wieso ist es nicht gleichzeitig ein Mutterland? War mir immer selbstverständlich. Aber jetzt? Raketen fliegen, Drohnen zerstören genauso wie der auf uns einprasselnde Sprachabfall. Es wird wieder marschiert. Das Lächeln ist vorbei. Die Freundlichkeit damit auch. Wir wollen per Foto etwas festhalten davon, was uns konkret umgeben hat in all der Zeit. Was unsere Welt war. Wir wollen inmitten dem allem leben. Wir wollen dabei auch „das Negative“ und das Hässliche abbilden. Ja klar! Sind doch sowieso nur Projektionen und Konventionen. Wir wollen uns daran festhaken, was „das Negative“ und die Alltäglichkeit überhaupt sein soll. Wir wollen es abbilden, es einbeziehen in unser Bild von der Welt.
Mittwoch, 7. Januar 2026
Optimierung
„Innere Optimierung“. So etwas wie Selbstoptimierung lehnte ich stets ab, weil ich – kurz zusammen gefasst - mich nicht einem System, einer Richtung, einem „Flow“ anpassen und mich einer Richtung „gefügig“ machen wollte/konnte. Es geht um Ziele, Werte, Normen. Den Preis für solches Verhalten habe ich bezahlt, denke ich. Meine Individualität beruhte oft darauf, den „eigenen Weg“ zu suchen - und nicht das, was mich scheinbar optimal voran brachte in den Strukturen dieser Wirklichkeit. Wie sehr diese „Wirklichkeit“ manipulierbar und veränderbar ist, habe ich unter anderem auf der Universität im Fach Soziologie erfahren, wo es unter anderem um die Erforschung von „Lebenswelten“ ging. Es gelang mir nicht, ich wollte es nicht, mich in diesen Anforderungen des Lebens zu verlieren, auch mein „Eigensinn“ und mein Beharrungsvermögen machte mir da zuweilen einen Strich durch die Rechnung. Eine kritische Distanz zu allen Dingen hatte ich sowieso mit dem Zeitgeist aufgesaugt, hinterfragen war da eher „mein Ding“. Schein und Sein in ihrer Beziehung zueinander zu betrachten, das schien in mir angelegt. Es gibt nicht nur im schwäbischen Pietismus, mit dem sich etwa der hier um die Ecke geborene Schriftsteller Hermann Hesse auseinanderzusetzen hatte, den „breiten und den schmalen, steinigen Weg“. Über Hermann Hesse, der auch und gerade in den USA sehr angesagt war, hatte ich gar meine Magisterschrift verfasst. Den amerikanischen Vulgär-Materialismus freilich lehnte er genauso wie ich radikal ab. Ich erinnere mich da an so manch heftige Diskussion mit „Kollegen“, die, wie die meisten Journalisten, im gängigen Vulgär-Materialismus verhaftet waren („Was ich nicht sehe, glaube ich nicht“). Über meine Reaktionen auf solche Einstellungen geben unter anderem auch meine Posts auf Facebook Aufschluss. Jaja, da fällt mir ein: Hesse lebte lange in der Schweiz, unter anderem in Montagnola im Tessin. Dort malte er auch viel. Aber was ist das alles angesichts der „Trump-Welt“? „Fake-News“ und ähnliche Phänomene. Durchregieren. Machtgetue. Narzisstische Peinlichkeiten. Auch wenn man selbst sich als konservativ bezeichnet, kann man damit, so meine ich, nicht unbedingt glücklich sein. Wohin treiben die USA?
Dienstag, 6. Januar 2026
Gesellschaftliche Kommunikation
Social Medias und Blogs tragen insgesamt wohl eher zur Banalisierung des Einzelnen bei, - sie sind Erleichterung und gleichzeitig geöffnete Schleusen. Der „Einzelne“ (die „Person“) scheint ohnehin selbst sehr stark zu dieser Entwicklung beigetragen zu haben, indem nämlich heute auch nicht zuletzt durch KI scheinbar lyrische Texte und „Reels“ (kurze Videostreifen) industriell, arbeitsteilig und geradezu maschinell hergestellt wurden und zunehmend werden. Der Druck auf die Tränendrüse ist etwas Gekonntes. Der Wutausbruch wird planmäßig herbeigeführt (jeweils beim „Durchschnittsuser“). Die Aufmerksamkeit wird gelenkt. Die Lüge beherrscht unmerklich vorrückend und die Gedanken verschleiernd das Feld. Es herrscht das Kollektive, die immanente Manipulation, der Schwarm, die Masse, „Big Data“, der Algorithmus, das kalte Berechnen, - auch gerade der Emotionen. KI ist da ein Beschleuniger.
Montag, 5. Januar 2026
Traumtheater
Aus den neunziger Jahren:
Rock-Spagat und Bocksprung - Dream Theater in der Rockfabrik
Ludwigsburg - Kann denn das funkionieren?Musik für Heavy-Metal-Fans und für Freunde des Kunstrock?Für Leute, die's gerne laut haben wollen und gleichzeitig für diejenigen, die konzentriert zuhören können? Von Leuten, die als naive Rock'n Roller und intellektuelle Schöngeister gelten dürfen? Solch faustischen Rock-Spagat führt die amerikanische Band Dream Theater seit vier Jahren vor und sie findet tatsächlich ein wachsendes Publikum dafür. Dies zeigte sich auch in der schier aus den Nähten platzenden Rockfabrik Ludwigsburg, wo Dream Theater jetzt ihren Tournee-Weg durch Deutschland begannen. Viel zum Mitklatschen und -Singen kam die Gefolgschaft allerdings nicht. Die diesbezüglichen Versuche bei den wenigen dafür geeigneten Passagen wirkten geradezu rührend.
Denn sprunghaft und allzeit überraschend geht's in Träumen zu, das monotone Gleichmaß ist ihnen fremd: das musikalische Traumtheater von der amerikanischen Ostküste begann heftig rockend, um dann plötzlich in einem musikalischen Bocksprung alle klischeehaften Erwartungen abzuwerfen, und die Phantasie befreit aufspielen zu lassen. Passagen, die an King Crimson oder Gentle Giant erinnerten, wechselten mit zappaesken Einschüben und melodiösen Gitarren-Ausflügen a la Joe Satriani, an dessen Virtuosität John Petrucci durchaus herankommt. Trotzdem verloren sich Dream Theater nie in einem eklektizistischen Zitatrock, sondern wirkten bei aller kalkulierten Komplexität frisch, direkt und originell. Sänger James LaBrie verzichtete auf die üblichen Posen und zog sich besonders bei den längeren Stücken diskret zurück, während Keyboarder Kevin Moore weniger wegen seiner Virtuosität, sondern mit ungewöhnlichen Einfällen und einem überlegten Soundkonzept brillierte. Geradezu beispielhaft zeigte er, wie die einst so beliebten Tasteninstrumente nicht nur als Begleitung in einen Gitarrenorientierten Heavy-Rock-Kontext einzubetten sind, wie selbst Synty-Soli dort wirkungsvoll zu integrieren sind. Aber auch Schlagzeuger Mike Portnoy und Bassist Myung glänzten mit Ideen, ohne sich in Selbstgefälligkeiten zu verlieren. Noch manches wäre von der musikalischen Qualität dieser Band zu berichten. Da Dream Theater in Zukunft noch viel von sich reden machen werden, mag dies an anderer Stelle geschehen.
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