Reise durch Wirklichkeiten

Mittwoch, 14. Mai 2025

Punky Funky

Ja klar, man hatte das alles live mitgekriegt. Aber der Punk ist längst zu einem musealen Ausstellungsstück geworden, ist gebröckelt und zerstoben. Wohin sind seine Protagonisten? Wir wissen es nicht. Verschwunden. „No Future“. Damals und heute hatten wir „Stop making sense“ sehr gerne gesehen. Dadaismus, in den scheinbar Kundige unbedingt etwas Kluges hinein interpretieren mussten (Klamotten zu groß etc.). David Byrne aber, der Oberanführer dieser Richtung, erschien mir als ein Punk jener Art, dem ich guten Gewisses und Wissens folgen konnte. „Psycho Killer“ war eine erste Hymne, ein dringlich lächerliches Statement in einer Welt der Verzweiflung und fehlenden Zukunft. Das alles war eingehüllt in einen Sound, der in seinem organisierten Chaos auch Slogans, Verweise, Rebellion als Zitat und ein Lächeln aufblitzen ließ. Humor. Krach. Emotion. Ein anregendes Gemisch. Was war davor gewesen? Supergroups? Große Könner, die sich um sich selbst drehten? Genesis und Yes? Aus dem Dreck heraus in zivilisierte Kultur. Wiedergewonnenes Pathos. Große Auftritte. Drogentote. Dann der Rückzug ins Einfache. Die Reaktion auf die Umwelt in uns. Tausend Revivals, der große Trip ins Geldverdienen. Danach wieder Verschwinden. Jetzt kommen die Punkveteranen als erfolgreiche Geldverdiener mit dürrem Zopf wieder, als Ärzte, Rechtsanwälte, Immobilienentwickler. Sie halten jetzt große Reden über Rebellion, wobei das, woraus sie einmal geschöpft hatten, längst verraten und verkauft scheint. Dem Kommerz. Und welche Rolle spielen eigentlich die Punks der Rechten? Die auf Gewalt stehen? Auf Autorität. Von außen gesehen erscheint uns alles als durchlöchert. Obsolet. Zitat eines Zitats. Unterm Dreck hervor geholt.

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