Reise durch Wirklichkeiten

Mittwoch, 7. Mai 2025

Kunstbeflissen

Als ich jetzt wieder mal etwas über eine Ausstellung las, wurde mir wieder bewusst, wie sehr ich von Kunst beeinflusst war, bewusst und unbewusst. Die frühen Besuche in der Staatsgalerie, das betroffene und erschütterte Verweilen vor einem Picasso (weil es dieser kanonisierte heilig gesprochene Picasso war?, heutzutage drängen sich mir Fragen auf, im „richtigen“ Leben galt vielmehr: Picasso, dieser Frauenheld und Stierkampfbegeisterte). Das Blättern in Kunstbänden, die Filme von Tarkovski und Wim Wenders, die Lektüre von Kafka, das Einbeziehen von Traum in die Realität, deren Überschreitung und sanfte Konfrontation mit „dem Anderen“, - wie ich alleine das Centre Pompidou besuchte und die Dinge auf mich wirken ließ (ich ließ zu viel „auf mich wirken“), wie ich da Bilder von Yves Klein suchte und sofort fand, Max Ernst, van Gogh, ich verstand das als Leben, nicht als davon getrennte Sphäre von Kunst (die ist ja nach Goethe „heiter“ und eine eigene, davon abgetrennte Sphäre). Später kamen die alten Italiener, die mich auf dem Weg zur Mona Lisa zum ersten Mal wie ein Blitz trafen: Caravaggio, der einen wie ein Blitz traf und in dessen Blau man baden konnte, später Botticelli in einer eigenen Ausstellung, einer, der für mich dringlich wurde, einer, dessen Wirkung mich faszinierte, dem ich nachfühlen wollte auf seinem Weg zur Schönheit. Ich erreichte sie alle nicht, sie blieben Inspiration für meine Existenz. Leonardo da Vinci ist bis heute einer meiner Säulenheiligen, nicht nur wegen seiner Gemälde, sondern wegen seinem universalen Anspruch: er wollte mehr verstehen, starrte stundenlang ins Wasser und versuchte sich neugierig am Absoluten….In meinem Zimmer die (aufgezogenen) Bilder von Emil Nolde (der sich als Person des realen Lebens später einigermaßen disqualifizieren sollte), Feiningers Linien, die sich irgendwo schnitten (im Unendlichen?), Max Ernst, Beckmann und Dali: diese Sphäre, der ich mich nah glaubte und die doch so fern war. Später die Besuche im Gropius-Bau und im Kunstmuseum bei Dieter Roth, der mich restlos faszinierte, Aufbruch, Revolution und Resignation, Zerstörung und Kreation… das alles sickerte in meine Welt ein, breitete sich aus….Erst jetzt erkenne ich, wie sehr mir das geschadet hat, wie sehr ich das zu meinem Schaden mit der Realität verwechselt habe.

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