Reise durch Wirklichkeiten

Freitag, 19. Dezember 2025

Gelassenheit

Gelassenheit. Gelassener werden. Das ist ein Ziel, um das ich kämpfe. All das Leid, das auf einen täglich einprasselt: Es nicht an sich ran lassen, das wäre Ignoranz und egoistisch. Es an sich ran lassen, lässt einen aber verzweifeln. Wie halte ich ein solches Nichtgelingen aus? Bin ich innerlich zu weich strukturiert? So geworden im Laufe der Zeit. Zu offen für nahezu alles? Früher dachte ich, ich müsse das alles verbinden mit einer Art Widerstand gegen das Elend. Eine Verbundenheit mit den Mitmenschen spürend. Problem war nur, dass diese Umwelt mit all ihren wohlmeinenden Menschen mich eines Tages krass im Stich gelassen hat, was auch damit zusammen hängen mag, dass ich mich ungern mit anderen Menschen zusammentue, eine Gemeinsamkeit nicht so leicht herzustellen ist. Da gibt es und gab es viele innere und äußere Widerstände, die mir schadeten. Aber heute weiß ich immer klarer, dass ich auf andere Menschen angewiesen bin. Das macht mir oft Angst. Es prasseln Fristsetzungen, Abmahnungen und andere Rechnungen auf einen ein, denen ich mich ausgeliefert fühle. Man macht Dinge falsch, ohne das zu wollen - und wird stracks und anonym dafür abgestraft, sanktioniert, unter Druck gesetzt. Wehleidig willst du aber hier nicht sein. Du musst dich offenbar an ein paar Dinge anpassen und gewöhnen, auch wenn dir das schwer fällt. Versuchen. Überkommenes aus der Vergangenheit bricht ein. Du fragst dich zum tausendsten Male „Wo bist du?, Wer bist du?“. Da ist keine jener vielleicht tröstlichen Gleichgültigkeiten, die dich gelegentlich überfällt. Egoismus, so lange man glaubt, sich das leisten zu können, umgibt dich, siehst du in allen, ja, auch in dir selbst. Gerade diese vielen gleichgültig anonymen Menschen um einen herum tun einem weh. Die bohren in dir drin. Die fordern von einem, machen betroffene Gesichter. Auch die sozialen Ungerechtigkeiten habe ich tätig kennen gelernt. Überlange Jahre. So etwas wie Grundsicherung mit all ihren Gesetzen und Begrenzungen kannte ich früher gar nicht. Diese überall vorhandene rücksichtslose Jagd nach dem Mehrwert nagt an einem. Wo steht man da?

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