Reise durch Wirklichkeiten

Dienstag, 25. November 2025

Spiegelei

Sie ist unlängst bei mir in meinen Zetteln aufgetaucht, was ich aus den Augenwinkeln mitkriegte. Sie, die mir früher im Hinblick auf so etwas wie Identität so viel bedeutete. Cindy Sherman beobachtete sich auf jedem ihrer Selbstporträts als ein anderes Ich, immer auf der Suche nach sich selbst. Sie bannte Ehe- und Karrierefrauen, Stenotypistinnen, freizügige Lebedamen oder böse Feen in ihren Fotos, Filmen und Texten. Sherman ging es nicht um eine eitle Selbstbespiegelung, um eine Vorführung des eigenen Ich. Sie sagte mal „ Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich je völlig ich selbst bin, außer wenn ich ganz alleine bin. Ich sehe mein Leben als Übungsplatz, weil ich fortwährend Rollen spiele“. Die Verwandlungsfähigkeit und das Einfühlungsvermögen, in andere Wesen zu schlüpfen, sich per raffiniertem Identitätstausch zu verwandeln, in Temperamente, Reizbarkeiten, und in anderen extrem fremden Häuten aufzugehen, das eigene Ich aufzugeben, das führte sie uns eindrucksvoll vor. Es war wohl so etwas wie ihr Lebensentwurf. „Es gibt das stereotype Bild von dem Mädchen, das sich hinein träumt in Rollen, etwa eines Popstars. Sherman arbeitete auch mit Science-Fiction-Maskeraden, mit Gruselmimik, mit Gesichtsattrappen und künstlichen Körperteilen. Es sind wohl alles Untersuchungen der eigenen Person, die das Recht an dem einen völlig mit sich selbst identischen Person verwischt und verliert.

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