Reise durch Wirklichkeiten

Montag, 4. Mai 2026

Melanchoblues

Kopf in die Hand stützen: eine Geste, die auf Melancholie weist? Ist da ein Zurück treten aus dem Getriebe, ein „Aus der Welt-Fallen“? Das Ungenügen an der Welt ist jetzt vom Zeitgeist nicht mehr so recht angesagt, entspricht es doch nicht dem amerikanischen „Manifestations“-trick: Alles geschieht, wenn du es nur verbissen genug willst! Vom Tellerwäscher zum Millionär. Ha ha. Der schwer in der Hand liegende Kopf findet aber auch schon in der Antike statt: Da ist Penelope, die Odysseus Rückkehr ersehnt, oder Ajax, bevor er sich in das Schwert stürzt. Was ist das Auftreten der Melancholie in der Kunst? Dürer, Friedrich, Goya, van Gogh oder de Chiroco (und das ist per name dropping nur eine winzig kleine Auswahl!). Es ging in der Antike um „Temperamente“. Um das Schwarzgallige. Gleichzeitig aber auch um ein Nachdenken oder eine Tat. (Sokrates). Solche Einstellungen scheinen zur Zeit nicht gerade beliebt zu sein, hauen sie doch eine Art Bremse in das Dasein rein, anstatt es dem ungehemmten Neoliberalismus entsprechend zu beschleunigen. Und dann später, die Bilder, die wir alle einigermaßen im Sinn haben: Heilsgewissheiten gehen in der Aufklärung flöten, die Romantik versucht das mit ihrer Sehnsucht nach dem Unendlichen auszugleichen. In der empfindsamen Strömung, die als Gegengewicht den Rationalismus ergänzt, wird die Melancholie zum poetischen Gefühl für das Erhabene, das in der Folge immer mehr zum Sentimentalen verflacht und heutzutage in der Werbung einer Sentimentalität „Urständ‘ feiert.

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