Reise durch Wirklichkeiten

Donnerstag, 31. Juli 2025

Wohin alles (bis jetzt) geht

„Arti“ meint: "So weilt Alles nur einen Augenblick und eilt dem Tode zu. Die Pflanze und das Insekt sterben am Ende des Sommers, das Thier, der Mensch, nach wenig Jahren: der Tod mäht unermüdlich. Desungeachtet aber, ja, als ob dem ganz und gar nicht so wäre, ist jederzeit Alles da und an Ort und Stelle, eben als wenn Alles unvergänglich wäre. Jederzeit grünt und blüht die Pflanze, schwirrt das Insekt, steht Thier und Mensch in unverwüstlicher Jugend da, und die schon tausend Mal genossenen Kirschen haben wir jeden Sommer wieder vor uns. Auch die Völker stehen da, als unsterbliche Individuen; wenn sie gleich bisweilen die Namen wechseln; sogar ist ihr Thun, Treiben und Leiden allezeit das selbe; wenn gleich die Geschichte stets etwas Anderes zu erzählen vorgiebt: denn diese ist wie das Kaleidoskop, welches bei jeder Wendung eine neue Konfiguration zeigt, während wir eigentlich immer das Selbe vor Augen haben. Was also dringt sich unwiderstehlicher auf, als der Gedanke, daß jenes Entstehen und Vergehen nicht das eigentliche Wesen der Dinge treffe, sondern dieses davon unberührt bleibe, also unvergänglich sei, daher denn Alles und Jedes, was daseyn will, wirklich fortwährend und ohne Ende da ist. Demgemäß sind in jedem gegebenen Zeitpunkt alle Thiergeschlechter, von der Mücke bis zum Elephanten, vollzählig beisammen. Sie haben sich bereits viel Tausend Mal erneuert und sind dabei die selben geblieben. Sie wissen nicht von Andern ihres Gleichen, die vor ihnen gelebt, oder nach ihnen leben werden: die Gattung ist es, die allezeit lebt, und, im Bewußtseyn der Unvergänglichkeit derselben und ihrer Identität mit ihr, sind die Individuen da und wohlgemuth. Der Wille zum Leben erscheint sich in endloser Gegenwart; weil diese die Form des Lebens der Gattung ist, welche daher nicht altert, sondern immer jung bleibt. Der Tod ist für sie, was der Schlaf für das Individuum, oder was für das Auge das Winken ist, an dessen Abwesenheit die Indischen Götter erkannt werden, wenn sie in Menschengestalt erscheinen. Wie durch den Eintritt der Nacht die Welt verschwindet, dabei jedoch keinen Augenblick zu seyn aufhört; eben so scheinbar vergeht Mensch und Thier durch den Tod, und eben so ungestört besteht dabei ihr wahres Wesen fort. Nun denke man sich jenen Wechsel von Tod und Geburt in unendlich schnellen Vibrationen, und man hat die beharrliche Objektivation des Willens, die bleibenden Ideen der Wesen vor sich, fest stehend, wie der Regenbogen auf dem Wasserfall. Dies ist die zeitliche Unsterblichkeit. In Folge derselben ist, trotz Jahrtausenden des Todes und der Verwesung, noch nichts verloren gegangen, kein Atom der Materie, noch weniger etwas von dem innern Wesen, welches als die Natur sich darstellt. Demnach können wir jeden Augenblick wohlgemuth ausrufen: "Trotz Zeit, Tod und Verwesung, sind wir noch Alle beisammen!" (zu finden in: Artur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung)

Mittwoch, 30. Juli 2025

Pedalkünstler

Dass er Bob Dylan und andere Größen produziert hat, hatte ich ja schon erwähnt. Sie alle schätzten dieses Gefühl von trauriger Gedämpfheit, dass auf Waschzetteln so gerne als „melancholisch“ beschrieben wird. „Time out of mind“ oder Oh Mercy“ sollen Belege dafür sein. Jedenfalls ziehen langgestreckte Pedal-Steel-Schlieren durch das Klanggebäude, die mich immer wieder damit überrascht haben, dass sie scheinbar mühelos das Klischee von Country-Seligkeit überschritten haben. Er hatte und hatte überhaupt kein digitales Konzept, sondern er erschuf auf analogem Wege Klangbilder, die beispielsweise als Soundtrack in Wim Wenders’ Filme passten. Da waren oft einfache Songstrukturen, in die hinein Lanois das einfangen wollte, was man wohl als „magischen Moment“ bezeichnet. Gekonnt „unterproduziert“ könnte man so etwas vielleicht nennen. Dazu trug oft genug eine chronisch untertreibende Band bei, der unter anderem oft der sensible und technisch sehr versierte Star-Drummer Brian Blade angehörte. Dabei sang Lanois relativ selten, obwohl er eine ruhige, eigentlich gute Stimme hatte. Atmosphärisch schwebten darüber und darunter verschiedene Gitarren. Ich lasse es verklingen mit dem eingängigen Refrain von „Power of one“…...

Dienstag, 29. Juli 2025

Wüstenpoesie

Ich hatte in diesem Blog wohl schon einiges geschrieben über Daniel Lanois und seine Auffassung von Produktion, die er gemeinsam mit Kumpel Eno unter anderem in so manche Produktion der Band U2, in eine Produktion von Emmylou Harris und in das Schaffen von Bob Dylan eingebracht hat. Nicht umsonst heißt ein ziemlich prominentes Album von U2 „Joshua Tree“ und deutet damit auf ein Wüstengebiet mit typischem (Nicht-)Bewuchs und langgestreckten Flächen, besiedelt von einem kargen Zauberwald. Langgestreckte Flächen zeichnet er auch immer wieder in seine Stücke, die viel von der stillen Wüstenatmosphäre ausstrahlen, in der Lanois offenbar lebt: im Zions National Park, bei Utah. Wir hören bei ihm viel Reduktion und ein Schwelgen im Spröden, das er ausgerechnet mit seiner Pedal Steel guitar zeichnet, der man ja meist eine ausgeprägte Sentimentalität und Country-Seligkeit nachsagte, was bei genauerem Nachhören auch nicht immer stimmt. Am deutlichsten wird Lanois’ Liebe zur Pedal Steel auf dem Album „Belladonna“, das mit seinen instrumentalen Solostücken wohl als eine einzige Hommage an die Pedal Steel gehört werden kann. Doch glaube ich entdeckt zu haben, dass mich der schleifende Klang dieses Instruments damals irgendwie auch zu Nils Petter Molvaers Album „Buoyancy“ gebracht hat. Nach einer Änderung in der Besetzung seiner Band spielt der Norweger (von dem ich ohnehin tausend Alben besitze, die ich in diesem Blog auch noch besprechen will) hier mit seiner Trompete oft in einer Verbindung mit der Pedal Steel seines damals neuen Gitarristen Geir Sandstol, er geht auf ihn ein, wirft ihm in einer weitflächigen Klanglandschaft zwischen Jazz und Elektronik Andeutungen zu und spielt seine Band in rätselhafte Landschaften hinein. Besonders die beiden Eröffnungsstücke „Ras Mohammad“ und „Gilimanuk“ bringen viel Steel Guitar, was ein Kollege in seiner CD-Besprechung einmal als „nicht überzeugend“ bezeichnet hat. Doch wer unerwartete Klangerfahrungen machen will, wer sich davon bestricken lassen will, wer sich einlassen kann auf diese schwebende Schlieren, wer das alles nicht mit US-amerikanischer Country-Musik assoziiert, der ist hier richtig, der sollte aufmerksam verfolgen, wie dieses Instrument auch gespielt werden kann.

Montag, 28. Juli 2025

Lebenswandel

Wie wollen wir leben? Wo wollen wir leben? Gerade in diesen Tagen begreifen wir uns als aufgeklärte Europäer. Was bedeutet uns das? Ist da ein Hecheln, das den Siegern meistens hinterher ist? Oder wollen wir das auf der Straße mit möglichst vielen Pferdestärken bzw Kilowatt ausgleichen? Ist es das?: Wenn wir uns selbst finden, uns herausmodellieren oder sind wir hinter dem her, was als „Selbstoptimierung“ derzeit die Propaganda des Zeitgeists ist? Wollen wir Zufriedenheit anstreben, eine Sicht auf uns selbst, die eingebettet ist in ein wie auch immer geartetes Umfeld? Oder wollen wir dem hemmungslosen Egoismus frönen, der den Neoliberalismus zu seiner Idiologie hat und das Streben nach Gewinn vor allem auch auf Kosten der Allgemeinheit sucht? Was ist, was könnte Allgemeinheit überhaupt sein? Das, was Sozialisten, Kommunisten wie eine Monstranz vor sich hertragen? Der Staat? Hat der Staat nicht auch totalitäre Züge, die er uns aufzwingt, ist der nicht sogar durch Wahl legimierte Superkonzern, - oder ist er der Souverän? Wohlfühlen, Wellness - in dieser Welt des Klimawandels und das massenhaften Abschlachtens von Tieren? Welche Rolle könnte da ernst genommene Ethik und Moral spielen, die gerade nicht an den Glaubenssätzen der Kirchen hängt und Tradition als einen Wert unter anderen wahrnimmt. Geht es um Mäßigung, um das „richtige Maß“ oder „Maß halten“? Welche Rolle spielt da die „Sorge um sich“ (Foucault) oder sittliches Verhalten? Worin könnte dieses begründet sein? Disziplinierung und Gehorsam..... in einer neoliberal gesinnten Umwelt? In einer ausgedachten Umwelt? Wo sind wir? Wer sind wir? Sich über solche Dinge in einem lebendigen Austausch unterhalten zu wollen, Ansichten auszutauschen und sich gegenseitig dabei anzuregen, könnte eine Disziplin sein, die Zukunft hat.

Sonntag, 27. Juli 2025

Röchelgrunzer

Er war einer, der für mich das Schaurige mit einbezog, war ich doch allein durch mein Studium mit dem Expressionismus befasst, in den er trefflich zu passen schien: Tom Waits. Da war das Ungerade, Umgeschlachte, aber auch das Aufgeblähte, der Vaudeville, viel durchlöcherter, verlumpter Jazz, Musical, Jahrmarkt- und Kirmesmusik, Ironie, Humor, Unfassbares. Er warf Fragmentiertes in den Raum, blendete auch das Hässliche stark auf, das Leiden, das Röchelnde, er beschrie das Düstere, beschwor es, wobei er für seine Szene ungewöhnliche Instrumente einsetzte, Marimbas, Oboen, Fagott, Klarinette… etc. Damit schien er allzuoft auf dem Friedhof zu landen, aber auch auf der Abfallhalde. Er brachte Falsches in Anschlag, zelebrierte Sentimentalitäten, das Richtige im Falschen - nur, um es im nächsten Song an scharfkantigen Realitäten zerschellen zu lassen. Er schien oft aus einer Gosse zu tönen und dem Sensenmann auf der Spur zu sein. Da war kein Schöngesang, eher ein grölendes Herausstoßen von Versen, Lauten Klängen, Grunzereien, oft durch ein verzerrendes Sprachrohr des übel Unverdauten gestoßen, des Beschimpften, Versoffenen Tremolo, da war ein Keuchen, das in Brecht/Weill-ähnliche Landschaften führte, da war ein durch Abwasserschächte hindurch aufgenommenes Taumeln und Stolpern, ein Plärren und Geröchel, das mich manchmal ins Erschrecken führte, weg von den Plastikwelten. Jetzt sind da für mich nur noch die Vinylscheiben, aber auch die CDs.

Samstag, 26. Juli 2025

Meine Fotos

Man empfiehlt mir, mein Konzept der Fotografie ein bisschen näher zu erläutern, um es allgemeinverständlicher zu machen. Also füge ich ein paar Sachen an, die ich bisher für allzu offensichtlich hielt: Ich zelebriere in meinen Fotos das scheinbar Unheimliche, das Irritierende, das, was uns unzensiert begegnet, das, was sich als ein Anderes zu enthüllen scheint, das plötzlich aufgeht als ein Tor in etwas Anderes, ich suche andere Perspektiven auf das scheinbar Vertraute. Man riskiert bei seinen Fotos einen Blick in die (vom Menschen kultivierte) Natur und stellt ihm in Bildern/Ausschnitten/Wahrnehmungen unserer entfremdeten Existenz gegenüber, ihren standardisierten Belustigungsritualen, ihren Mechanismen und alltäglichen Gebrauchsspuren…

Freitag, 25. Juli 2025

Morgens

Morgens sitzen und trülen. Die Zeit vergeht und du blickst in die Kaffeetasse. Denkst an das, was dir durch den Kopf gegangen ist. Musstest schon lachen über die Flachwitze eines „Comedian“. Auf einem Tablet vor dir. Das tat gut. Lässt Musik strömen. Was füllt sie aus? Der Comedian machte Witze über Wellness und Esoterik. Dabei wurde mir gewahr, dass viele Leute an das billige Abzeihbild dessen regelrecht glauben. Ich denke: sollen sie doch! Glücklich sind Idioten. Die werden eines Tages nicht mal Witze über dich machen - und sie werden sich als Sieger fühlen. Du wirst zur Last fallen. Teilweise wurde man da rein gestoßen, teilweise sog man sich selbst in diese Rolle rein. Man hatte das nicht so als krass empfunden, wie es nachher war. Es hat einen zur „Wahrheit“ gedrängt In bestimmten Situationen bedeutete das für mich Ehrlichkeit. Aber nicht jene Ehrlichkeit, die im Geschäft der Menschen immer behauptet wurde. Sie war oft schwer auszuhalten. Abgrenzung hat das gebracht, aber was sollte das? Du warst ja ohnehin schon einzeln, per Kafka-Richterspruch. Gruppen unterschiedlicher Herkunft versuchten, an dir zu ziehen, dir etwas abzuringen. Slogans, Parolen, Logos, Symbole: Schwierig um einen herum, ließ einen aber kalt. Monster tauchen auf. Erringen Macht. Man war abgesackt, abgestunken. „Erfolgsmenschen“. Erfolg ist Geld.

Donnerstag, 24. Juli 2025

Kreuz und quer

Ein abgehalfterter Popstar mit zerdätschter Mine macht in TV-Spots recht offensiv und penetrant Werbung für Kreuzfahrten. Ausgerechnet für Kreuzfahrten, so denken wir. Erst im Drogensumpf und im Ruhm des Ruhmes untergegangen. Dann mühsam gepäppelt. Abgesommen. Jetzt aber: „Relax! Showtime! Zeit zum Genießen“. Uns fallen Posen ein. Auftritte. Verbindliches Grinsen. Als Straßenhund gecastet. Der Mann galt mal als etwas Großes. Als Talent. Jetzt offenbar in einer Hollywood-Villa vergraben. Grinst unverschämt offen in die Kamera. Was ist denn das für einer? Welche Werte uns dieser Mensch wohl verkörpernd nahebringen soll? Ist das KI? Oder „nur“ gestellt? Gut gekauft? Es gibt halt Menschen, die tun für Geld alles. Sie grinsen uns als Gewinner entgegen. Fußball? Showgeschäft? Influencertum. Öffentliche Sprecher und Vorzeige-Figuren des Journalismus, des Zeitgeists? Dies „Gewinnen“ führen uns die Medien täglich vor. Das sollen wir lernen. Jetzt aber los! In die Hände gespuckt! Endlich darf man mehr arbeiten! Das macht Spass! Ein abgehalfterter Popstar mit zerdätschter Mine macht in TV-Spots recht offensiv und penetrant Werbung für Kreuzfahrten. Ausgerechnet für Kreuzfahrten, so denken wir. Erst im Drogensumpf und im Ruhm des Ruhmes untergegangen. Dann mühsam gepäppelt. Abgesommen. Jetzt aber: „Relax! Showtime! Zeit zum Genießen“. Uns fallen Posen ein. Auftritte. Verbindliches Grinsen. Als Straßenhund gecastet. Der Mann galt mal als etwas Großes. Als Talent. Jetzt offenbar in einer Hollywood-Villa vergraben. Grinst unverschämt offen in die Kamera. Was ist denn das für einer? Welche Werte uns dieser Mensch wohl verkörpernd nahebringen soll? Ist das KI? Oder „nur“ gestellt? Gut gekauft? Es gibt halt Menschen, die tun für Geld alles. Sie grinsen uns als Gewinner entgegen. Fußball? Showgeschäft? Influencertum. Öffentliche Sprecher und Vorzeige-Figuren des Journalismus, des Zeitgeists? Dies „Gewinnen“ führen uns die Medien täglich vor. Das sollen wir lernen. Jetzt aber los! In die Hände gespuckt! Endlich darf man mehr arbeiten! Das macht Spass!

Mittwoch, 23. Juli 2025

Geschlechterrollen

Ich registriere, wie immer mehr „hübsche“ und „gutaussehende“ Frauen den öffentlichen Raum bevölkern. „Hübsch“ heißt hier: den männlichen Erwartungen und Bedürfnissen entsprechend. Ein Schelm, wer da Böses dabei denkt! Wer diese Frauen wohl ausgewählt hat? Gerade unter den im TV dauernd auftretenden Journalistinnen scheinen sich dermaßen viele Figuren desselben Typs zu bewegen, wobei man sich fragt: gibt es wirklich so viele davon? Sind das Fakes? Avatare? Ob sie gerade in ihren Merkmalen austauschbar sind? Für wen? Es scheint eine Art sozialer Stanze zu geben, in der sich die Einigkeit darüber verkörpert, was denn offensive Schönheit sei. Gewisse Firmen nutzen solches, last but not least in der Werbung. Es nähert sich scheinbar eine selektive Auswahl immer mehr der, des dem andern Geschlecht wohlgefälligen Frauchens an, das im rechten Augenblick auch schon mal – darf man das sagen? - die Beine breit macht. Dabei gleichen sich die Auswahlkriterien gerade solcher Frauen der jeweiligen sozialen Klasse entsprechend: Im avancierten Milieu ist die Frau mit der eigenen Meinung gefragt, die über „Durchsetzungskraft“ und „Führungsqualitäten“ verfügt. Gleichwohl registriert mann auch auf dieser Ebene immer mehr das angepasste „Püppchen“, das sich nach oben geschlafen hat. Seine Persönlichkeit und seine Fähigkeiten scheinen austauschbar und in dieser Weise unter anderem auch optimal an die digitale Welt der AI (KI) angepasst. Es sind dies oft auch Frauen, die sich und ihre Fertigkeiten „gegen gutes Geld“ verkaufen können, wogegen in einer Marktwirtschaft sowieso nichts gesagt werden darf.

Dienstag, 22. Juli 2025

Morgendamen

So mondäne wie kumpelige Damen beschwören in ihren TV-Sendungen korrekt alltägliche Einstellungen, führen Interviews und geben für „richtiges“ Verhalten korrekte Modelle vor, preisen ein an Nachhaltigkeit, „Normalem“ und an Klimakrise angepasstes alternatives „wokes“ Verhalten mit Tipps und praktisch kundigen Tricks. Gleichzeitig geben sie, diese öffentlichen Fauen, in den sozialen Medien mit ihren Übersee-Reisen in Paradiese und finanziell gut ausgepolsterten sowie romantisch aufgeblasenen Besuchen von smarten Wellnessgegebenheiten und organisierten Abenteuern an. In Folklorismen eingehüllt geben sie ihr sanftmütiges Lächeln und die Hauptrolle in ihrem Urlaubsfilm. Sie sind einfach easy sexy schön für Männer und geben in ihrem Hochglanzprospekt - sofern sie sich etwas absetzen wollen - nicht mal damit an, weil sie der Typ „apart“ sind. Das wäre dann doch zu…..

Montag, 21. Juli 2025

Gitarrenschlieren

Dies ist das Ergebnis einer Begegnung mit nur 3 Titeln von Bill Frisell: Wunderbare Schlieren ziehen durch mein Zimmer. Es umschmeichelt mein Ohr, zieht lyrische Fäden und Bögen ein. „Have a little faith“. Ich verfüge hier über ältere Titel, die in Zeitlosigkeit baden. Seine Gitarre klingt elektrisch, mit ihr formt Bill Frisell Tonzusammenhänge, Luftgespinste, die die Phantasie reizen und ihr Raum geben für Gefühle, für seltsame Erkundungen. Er streichelt die Gitarre, entlockt ihr geformte Skulpturen aus Klang, man ist fortwährend gespannt, wie das weiter geht….gelegentlich auch aus scheinbarer Verwirrung heraus. Er nimmt so viel mit, lässt es anklingen, spielt damit. Manches kommt aus seiner Folklore, formt offenbar das, was auf sein Gehirn hernieder gekommen ist. Er hat es aufgenommen und spielt es bei Gelegenheit aus, mit Respekt, Einfühlsamkeit und Einsicht in das kollektive Gedächtnis der Leute. Da gab es so vieles, was ihn auf allerlei Arten beeinflusst haben mag. „Blues Dream“, „What do we do?“ gleitet dahin, nimmt mich mit, ich darf dabei sein und ihm bei seinen Andeutungen folgen. Er kommt ja aus dem Jazz-Ghetto, gab den Avantgardisten und spielt schon lange mit den Dimensionen seiner Gitarre. Alles blitzt auf und wird gebogen, angeglichen an seine Vorstellungswelt, kommt aus ihm.

Sonntag, 20. Juli 2025

Verfügung

Ich werde immer mehr gewahr, dass ich inzwischen in einem anderen Leben lebe: meinem zweiten? Meinem dritten? Wenige, sehr wenige Freunde sind mit mir diesen Weg über diese Linie gegangen, ich mag sie wie zuvor. Nachhaltig. Anhaltend. Über Jahre, Jahrzehnte hinweg. Eine Eigenheit. Es ist eine Entwicklung des Gemeinsamen. Teilweise sind sie mir aus früheren Lebensumständen geblieben, teilweise sind sie mir aus dem Instinkt erwachsen. Damals. Ein paar von ihnen haben mich schändlich stehen lassen, - oder habe ich sie stehen lassen? Leute, die man an seiner Seite vermutete, waren plötzlich weg. Ob ich wunderlich, sonderbar geworden bin? Narzisstisch? Egoistisch? Man hilft mir aus meiner Umwelt kaum dabei, so etwas zu erkennen und es zu verbessern versuchen. Man straft mich vielmehr mit Missachtung. Gleichgültigkeit. Fest steht, dass man viel zu viel Lebenszeit in seinen „Beruf“ investiert hat, dass man viel zu sehr für ihn und weniger für soziale Kontakte gelebt hat, dass man in einen einzigen Job alles investiert hat, - mit dem Erfolg, dass ich eines Tages den Arschtritt und Hinauswurf meines wichtigsten Arbeitgebers hinnehmen musste, dem ich nahezu alles geopfert hatte. Man war weniger als „Frei gesetzt“. Man war ja „frei“ und selbständig geblieben. Scheinbar. So ging das locker und easy mit mir. Rechtliche Absicherung gab es für einen „Selbständigen“ und „Freien“ natürlich nicht. Für das Selbstwertgefühl war das alles nicht gerade günstig. Ich versuchte damals, mit meinen bescheiden Mitteln meine Eltern zu unterstützen und war froh, dem Mobbing entronnen zu sein. Die Liebe zur Rockmusik und das Wissen darum waren einem zum Verhängnis geworden. Jaja, die Zeiten waren damals noch andere: Hire and fire war angesagt, als Arbeitnehmer war man Verfügungsmasse für die Tonangeber. Zum Zwecke der Profitmaximierung. Die Unternehmen hatten`s im Überfluss und feuerten einen nach Belieben. Mit einem Lebensjahr Ende 50 hatte ich auf dem „Arbeitsmarkt“ sowieso keine Chance mehr. Irgendwann wurde einem auch noch bewusst, dass man vom „alten Leben“ her mit radikaler sozialer Missachtung bestraft wurde. Wieso, warum? Keine Ahnung. Man grub sich immer mehr in das eigene Musikmachen ein, das man auf elektronischem Wege wieder angefangen hatte und das viel mit Kreativität, aber auch mit Isolation zu tun hatte. Aber auch das brachte nichts, wurde mit radikaler Missachtung abgestraft. Ob man etwas falsch gemacht hat? Man hatte jedenfalls nichts mehr zu verkaufen außer sich selbst. Aber man selbst war ja wie Luft. Es gab auch privat keinen Austausch mehr. Man war vernichtet.

Samstag, 19. Juli 2025

Songlyrik

Ich habe gefunden und lese bei mir folgende Notizen „Jetzt scheint Bob Dylan doch noch seine Vorlesung auf dem Audio-Weg bei der Nobelstiftung eingereicht zu haben.“ Ich habe sie zwar nicht gehört, lasse mir aber erzählen, dass er dazu das Statement „ muss man hören, man kann sie nicht auf Papier lesen“ abgesondert hat. Nun ja, das habe ich als Journalist oft gehört. Ist quasi ein Gemeinplatz. Wenn wir schon bei Gemeinplätzen sind: Dass Songtexte ohnehin nicht so übertrieben wichtig seien, habe ich auch oft gehört. Es ginge ja ohnehin immer um die Grundtatsachen des Lebens, um das, was uns bewegt: die Liebe vor allem, - und vieles andere. Ernst Bloch, der neomarxistische Philosoph aus den siebziger Jahren, meinte dazu einst: „Musik ist eine Hure, die mit jedem Text geht“. Ist das nicht ein bisschen delikater? Ein bisschen raffinierter? Ob in jeder Musik ein Text verborgen ist? Eine Art „innerer Melodie“? Aus was könnte dies bestehen? Ist im Jahr 2025 wahrscheinlich etwas anderes, als im Jahr 1969..... Tatsache ist, dass in meiner Umgebung viele Leute, die sehr an Rock- und Popmusik interessiert waren, kein bisschen auf den Text geachtet haben, wenn sie einen Song gehört haben. Alleine schon aus sprachlichen Gründen. Was sie interessiert hat, war die Stimme und die emotionale Botschaft, die dahinter vage aufschien. Dazu trug auch bei, dass sie das englischsprachige Gesinge ohne eine weitergehende Bemühung sowieso nicht verstanden haben. Das Unmittelbare und Direkte, was ja auch zur Rockmusik gehört, fiel also in diesem Falle weg. Kommt es eigentlich darauf an, aus welchem Kontext heraus und in welchen Kontext hinein so etwas „gesendet“ wird? Ist die Erwartungshaltung gegenüber einem Singer/Songwriter-Nachfahren nicht ganz anders, als die einem Jazzer gegenüber? Es ist keine Beleidigung, wenn zu vermuten wäre, dass ein „richtiger“ Jazzer kaum Wert auf besonders gepflegte und elaborierte Inhalte seines Textes legt.

Freitag, 18. Juli 2025

Mechanik der Normalität

Wir sind stark. „Wir haken uns unter“. „Wir brauchen ordentliche Löhne“. „Wir schaffen das“. Zitate aus der Politik. Wer ist wir? Der, der dich entlässt und dir Lohnzugeständnisse abringt, wenn er es für nötig hält (jawohl, immer noch meist ein „er“ und keine „Sie“). Der dafür das Geschwätz vom „Strukturwandel“ allzeit parat hält (Das Getue um die sogenannte „Globalisierung“ ist ja ein bisschen ins negative Gerede und aus der Mode gekommen...)? Dann bist du plötzlich nicht mehr der Betrieb. Bist ein unfähiger Einzelner. Der Betrieb ist der, dessen „Chefs“ riesige Karossen fahren, die sie als Statussymbol direkt vor dem Eingang parken. Der Betrieb, dass sind doch die Kaufleute, die „den andern“ alles Wichtige diktieren. Alles Wichtige hat auf dieser Erde mit Geld zu tun, nicht mit Geist. Sie müsssen immer wieder den Stallgeruch pflegen, auf jeder Konferenz, in jedem Meeting. Sie müssen miteinander anstoßen, sich übers Fußballspiel unterhalten, sich Witze erzählen, über die sie dann gemeinsam lachen sollen. Das ist wichtig: Alles lacht. Das auch an jedem Geburtstag, den irgendein Kollege hat. Dann werden kleine Tischen aufgestellt und scheinbare Gemeinsamkeit zelebriert. Du selbst wirst dir dann ein Fremder. Verlierst den Kontakt zu dir selbst, während sie ihn kultivieren und dafür teure Crash-Kurse besuchen. Die Sehnsucht danach, sich irgendwo wieder finden zu können, sie zapfen sie an. Auf der Suche. Du, der du dir selbst einmal so sicher warst, ohne selbstsicher sein zu können. Wo bist du heute? Hast dich verloren in der Mechanik. Der Normalität. Und musst dankbar dafür sein. Die Ermüdung, die Trägheit, deine Feinde. Andere Menschen haben ein anderes Temperament. Eine andere Vitalität und ein anderes Vertrauen darin. Sie begegnet dir. Du solltest mehr Empathie aufbringen. Was ist das? Sich in jemanden hinein denken? Notwendig, Zeichen der Kultur. Letztenendes sind wir aber allein. Da besteht eine Spannung.

Donnerstag, 17. Juli 2025

Fallstricke

Die Anpassungsmechanismen der anderen (immer die anderen!!), das alltägliche Buckeln, bloß keine Empfindlichkeiten zeigen: das sanktionieren die Kollegen und die Chefs sofort mit Liebes- , das heißt letztenendes Geldentzug. Mit Mobbing auch. Mit bereit gestellten Fallstricken. Mit Blicken. Mit Verachtung. Du musst funktionieren. Zum Beispiel nicht krank werden. Sofort rückt sonst jemand anderes an deine Stelle. Und zwar dauerhaft. Du bist austauschbar, auch wenn du dich selbst für einmalig hälst. Da ist schleunigst jemand anderes gefunden, der dich vollständig ersetzt. Trotz Arbeitnehmermarkt. Wieso haben die anderen so wenig Abstand zu dem, was sie tun? Wieso können die sich dermaßen identifizieren mit ihrem Job, mag er noch so entfremdet sein? Sie haben doch vielfach sogar studiert, haben sich im Blick geübt, der im Alltäglichen das Unalltägliche aufsucht, der die Distanz zu den Dingen und zu sich selbst sucht, können analysieren und reflektieren. Oder etwa nicht? Waren sie nur ausgebildet worden? Zum Rädchen im Getriebe? Haben sie sich die Analysemethoden angeeignet, um zu erkennen, dass in solch eingeschlossenen Verhältnissen, in solchen betrieblichen Strukturen die Macht wohnt und die Machtausübung anderer implizit eingeschlossen ist? Früh gelernt, sich dieser Macht zu beugen, sich darin einzurichten? Flüchten? Ob solche Ansichten auf Möglichkeiten etwas zu idealistisch gedacht sind? Sich in den Elfenbeinturm des akademischen Betriebs flüchten? Geht das? Bloß keine Zeitverträge! Funktionierte auch schon besser. War auch mal besser. Wie kann man das so akzeptieren, sich zu eigen machen? Die Rolle, in die man hinein dressiert wurde? Ob das etwas mit unserem Bildungssystem zu tun hat? Schon die dauernd praktizierte Formulierung „Wir“. Wer ist wir? Die Gesellschaft? Alle? Der Betrieb? Der stark ist? Besser als andere? Der sich ein Monopol erobert hat?

Mittwoch, 16. Juli 2025

Kontakt

Wieder wird Dir bewusst: Es hat sich in vielen vielen Jahren nicht ein einziger „Kollege“ bei dir gemeldet. Nicht mal Formeln wie „Wie geht es Dir?“ oder Ähnliches hörte man. Du hast (zu) viele Zeit geopfert. Schienest gewissen Menschen näher gekommen zu sein. Warst du aber nicht. Du hast jetzt seltsame Kommunikationsformen. War früher nicht so. Warst zu lange Zeit eine Art Verfügungsmasse für vermeintliche Gutmenschen. Was ist passiert? Hast versucht, jemand auf Grundsicherung zu helfen. Dabei warst du selbst bald reif dafür. Hattest mit einer „anderen Realität“ zu tun.

Dienstag, 15. Juli 2025

Rockrollen

Es gab in der Rockmusik früher oft fein ziselierte Klänge/Klangebilde und lyrische Zeilen, die man auch für „romantisch“ hätte halten können. Der romantische Künstler scheint dabei in vielerlei Hinsicht das „Role Model“ dafür abgegeben zu haben. Betonung der Individualität, Befreiung der Bedürfnisse, Kritik an der Konsumgesellschaft und dem, was als „normal“ verkauft wird, Spießertum, Kleingeisterei u.ä. Bei genauerem Hinsehen war dieser romantische „Effekt“ jedoch allzu oft beabsichtigt und sollte auf der Ebene dahinter oft genug dem Zweck der Umsatzsteigerung dienen. Dass die Künstler oft selbst empfindsame Geister waren, wurde da gerne in den Dienst genommen, weil die „Fans“ ja an solche Haltungen und Gegebenheiten von Künstlern glaubten. Sie wurden oft genug (und manchmal auch zu Recht) als hochsensible Geister angesehen, die einem brutalen Materialismus ausgeliefert waren. Blöd nur, dass es nicht wenige „Künstler“ auf diesem Terrain gab, die sich in den von der Gesellschaft propagierten Reichtum, in Villen, Schlösser und Nobelkarossen flüchteten. Unbemerkt waren sie auf diese Weise in die Fänge der brutal materialistischen Kräfte der Gesellschaft geraten. Im Nachhinein wurde dies mit allerlei Rechtfertigungsstrategien versehen: kreative Geister von solchem Format sei so etwas nachgesehen und es ginge ja überhaupt um das Ringen um Anerkennung, um sozialen Status, der dadurch zu erreichen war. Es ging um Mimikry, um subversives Verhalten, um ein Einschleichen in soziale Rollen, - letztlich um so etwas wie den „Marsch durch die Institutionen“. Die dabei auftretende Deformation des Bewusstseins, die Korruption durch das „große Geld“, all dies wurde schulterzuckend zur Kenntnis genommen.

Montag, 14. Juli 2025

Charismatischer Messias

Das Folgende steht in meinem 2022 erschienenen Buch „Zuhören“: Ich mäandriere, redundiere, komme oft auf das dasselbe an anderer Stelle zurück. Aber es hat mich beschäftigt, - und zwar immer wieder. So auch das Thema „Starkult“, das ja in der Popmusik so wichtig ist. Der Glaube daran, dass es Einzelne sind, die vom Schicksal, eigener Schaffenskraft oder günstigen Umständen dazu auserwählt sind, die Massen in einer Art Selbstermächtigung mit ihren „kreativen Ergüssen“ zu beglücken. Eine Art des neuen „Messianismus“. Dazu schrieb ich in meinem Blog: „Eine kulturpessimistische Polemik - Ob Pop mit mindestens zwei ganzen Generationen den jetzt so übel grassierenden Populismus eingeübt hat? Das Führerprinzip und die Gleichschaltung der Gefühle - da war ja teilweise noch mehr. Konzerte waren zu Wallfahrtsorten geworden. Ich fühlte mich immer ziemlich alleine, wenn die Massen tobten und johlten, was gerne mit solchen Begriffen wie „gute Stimmung“ und dergleichen umschrieben wurde. Es stieß mich immer etwas ab, diese Gleichschaltung, diese Massenbegeisterung, dieses Aufgehen im Pulk, dass ja doch nur "Spass" bedeuten sollte. "Ein faschistischer Führer würde Großbritannien gut tun" - erzählte anscheinend 1976 David Bowie dem "Playboy"-Magazin. 2025 ergänze ich eingedenk gewisser politischer Veränderungen: Wir wollten und wollen nie bloße Spassbremse sein. Ach herje! Bloß nicht! Das wäre uns dann doch zu eindimensional.

Sonntag, 13. Juli 2025

Menschen Näherung

„Leute sind an dir vorüber gegangen. Du hast versucht, sie zu begreifen, wähntest dich ihnen nahe. Doch letztlich blieben sie unbegreiflich, was fest zu machen war an ihrem Verhalten. Klar, hättest du das eine oder andere Mal mehr auf sie zugehen können, hättest ganz betont den Dialog suchen sollen und Rituale der Gemeinsamkeit vollziehen (nach deiner eigenen Einschätzung tatest du das viel zu oft...). Doch erstens: War der Moment deiner Ansicht nach jeweils nicht danach. Du warst auch zu träge, zu unbeweglich, warst dem Sozialen zu wenig zugeneigt, warst vielleicht auch zu enttäuscht. 2.) hattest du stets einen gewissen Stolz, der es dir verboten hatte, dich anzudienen, dich anzubieten, dich „verkaufen“ zu wollen - ganz besonders in Konkurrenz zu anderen Individuen......

Samstag, 12. Juli 2025

Hinein gleiten

Was ich mal geschrieben habe, auch, weil es mir wichtig war: Dass die Sängerin Jennifer Charles eine laszive Stimme habe, fällt wohl jedem ein. Stimmt auch. Unwillkürlich zieht sie jeden hinein, diese Stimme, in Richtung auf ein Geheimnis, von dem aus der Strom des Unbewussten über die Felder Elysiums auf uns zuläuft. Haucht sie da eine Ahnung von der Insel der Seligen? Ob die Botschaft in diesem unglaublichen Timbre liegt? Vielleicht kann ja dunkle Erotik und Bedeutung im Gesang zusammenfallen. Paradies und seine Auslöschung, Großstadt und Fantasie. Die Stimme gehört zur New Yorker Band Elysian Fields, deren Kern sie zusammen mit dem Gitarristen und Songschreiber Oren Bloedow sowie einem Kreis von weiteren New Yorker Musikern über nun fünf Alben hinweg gebildet hat. Eine meiner CDs heißt „The Afterlife“ und ist wieder so etwas ein Wunderwerk. Musikalisch in keine Schublade passend, gleiten ihre dunkel gefärbten Songs mit Gitarren und Piano oft über scheinbar klare und sehr einfallsreiche Liedstrukturen hinweg in gebrochene Akkorde, um sich dort mit genau arrangierten Streichern, Bläsertupfern und seltsamen Einsprengseln aller Art zu verbünden. Ein Album wie ein Traum. New York Avantgarde. Umgekehrter Jazz. Zurückhaltend und sehr dosiert. Sophisticated würden Amerikaner so etwas nennen. Da ist viel umgebogene Traurigkeit und ein düsterer Abgrund. Nacht und Dämmerung. Fabelhaft. Elysian Fields: The Afterlife. Reverb Records

Freitag, 11. Juli 2025

Geld

Ich denke immer kritischer über das nach, was ich in den letzten Jahrzehnten erfahren habe, in diesem Strudel, der sich Realität nennt und der immer mehr und eindeutiger von der Größe „Geld“ bestimmt wird. Gigantisch große Firmen und Kapitalzusammenballungen, Marketing und Werbung haben die Rules übernommen, in letzter Zeit auch per KI. Monopolisierung ist angesagt. Bereich Popmusik: Gewisse große Künstler/acts verkaufen aus sich selbst ihr „Ich-Produkt“ heraus mehrtägig in den größten Arenen: Helene Fischer, Taylor Swift etc. Der „Bodensatz“ der acts freilich ist weitgehend verschwunden, das Fundament, auf dem sich viel aufgebaut hatte. Die kleinen und mittleren Konzerte. Für Interessierte und Musikfreaks. Für ein Nischenpublikum. Dies entspricht dem Trend in dieser Gesellschaft. Erst stand Pop- und Rockmusik für Nonkonformität in einer Kultur, die auf Zustimmung und Konformität angelegt war. Man projezierte in sie vielleicht etwas hinein, dautete einen vorübergehenden Trip als Grundeinstellung (was natürlich total falsch war). Wenn es da etwas heraus zu destillieren gab/gibt, ist es immer noch die Phantasie. Sie freilich wurde längst professionalisiert, dem Mainstream angepasst und in kommerzielle Bahnen überführt. Wenn ich heute etwa die Grammy-Verleihungen im TV sehe, bin ich entsetzt ob der vielen willfährigen Diener, die die „Künstler“ vor den Willi Wichtigs der sie umgebenden Medien-Industrie machen! Ich nehme nur noch den symbolischen Gehalt wahr, musikalisch interessiert mich das schon lange nicht mehr. Ich denke darüber nach, ob sich alles erledigt hat und bin angeekelt von diesen Gesten und Posen der Unterhaltungsindustrie.

Donnerstag, 10. Juli 2025

Wie es war

Wie war das mit der Rockmusik? Die Aufnahmen wurden immer besser, der Ausdruck ging darüber manchmal ein bisschen verloren. Ironie zog ein, Kunstkniffe zogen ein, Produzenten gewannen einen Namen, standen für einen bestimmten Sound. Die wussten, wie`s geht: Eine der Technik geschuldete Transparenz war nun angesagt, der Überblick über ausladende Klanggebäude. Aber man staunte trotzdem noch über das Songwriting, die Kunst, Songs eine Spannung und eine daran anknüpfende Entspannung zu geben, sie zu dramatisieren, mit tollen Melodien auch, mit akustischen Angeboten aller Art. Das eine oder andere glitt ab in Überproduktion, Aber das machte nichts. Man hörte die Doobie Brothers, Loggins & Messina und James Taylor. Das führte in den Adult orientated Rock, also die Klangwelten, die für Erwachsene bestimmt waren, die einige Hörerfahrung voraus setzten und sich klar vom lüsternen Gehabe und den hormonisch gesteuerten Brunftarien der Teenie-Bands absetzten. Man interessierte sich für den, der da gerade Gitarre in einem unerhörten Sound spielte, man kroch geradezu hinein in gewisse Produktionen, ließ sich in Begeisterung verzaubern oder in ein überragendes Können auf dem Instrument. Das und nur „das hier“ war schwer zu spielen und überschlug sich geradezu in Raffinesse. „Das hier“. „Nicht das!“. Man musste „Die Neue“ von diesem oder jenem haben, man musste informiert, im Flow, im Groove sein. Kurz: es knüpfte sich so manches Interesse daran. Wer war das, was waren das für Leute. Guter und hochprofessioneller Sound kam oft aus Los Angeles, das in den USA zu einer Art Musikhauptstadt für ein vertontes Lebensgefühl wurde. Es wurde da manchmal auch ein Kokaingeschwängerter Sound abgesondert, der auch gepflegte Langeweile und sophisticated Swimmingpool-Gefühle transportierte. Man las in einschlägigen Magazinen über das opulent gestaltete Leben gewisser Rockstars, die die Massen bewegen konnten. Und – ach ja – die Spiritualitätsarien im Softrock. Man selbst nahm das mit, kannte es, aber es interessierte einen weniger. Was war das gegenüber den Tonkreationen eines Frank Zappa? Ja klar, mit so einem war man weit vorne dran. Dem musste man erstmal folgen können. Dem hypersensiblen Schwurbeln, der angefederten Melancholie. Aber da waren auch die hypnotisch im Hedonismus wühlenden Funk-Rhythmen, der Groove, die Hypnose. Gelegentlich versetzt mit anspruchsvollen Jazzgetue. Großartigkeiten. Überhaupt: ein auf Äußerlichkeiten pochendes Getue kam auf. Das Vorzeigen von Fähigkeiten wurde wihtiger. Auch der Glamrock, das Auftreten, die Erscheinung. Und und und…..alles noch vor dem Erscheinen der CD als Hör-Format.

Mittwoch, 9. Juli 2025

Spekulationen

Es geht bei vielen Postings in diesem Blog womöglich um Perspektiven, denen jeder unterliegen kann. Dabei spielt meine Person keine oder eine sehr geringe Rolle. Dies hier ist kein intimes Tagebuch! Das ist sehr wichtig. Ich fühle mich auch als Schreiberling eher als Beobachter und stelle ja von der Seitenauslinie auch viele Fragen, auf die ich selbst keine Antwort weiß. Auch sie könnten sich jedem stellen. Es hat mit meiner Person nichts zu tun, ohne dass ich die bequeme Position jener Politiker einnehme, die erklären, dass die Entscheidung zwischen richtig und falsch nicht von ihrer Person abhänge. 1.) werde ich nicht von der öffentlichen Hand bezahlt 2.) habe ich keine „wichtigen“ Entscheidungen zu treffen. Nein, ich fühle mich als Teil von etwas Anderem, - was auch mit meinem Studium der Soziologie zu tun haben könnte. Ich zeichne ein Bild, das - und das ist die Pointe! - nicht zutreffend sein muss. Ich nehme einfach nur Informationen, Anstöße, Fragmente auf und gebe sie wieder. Es geht um ein Stochern im Nebel anhand gewisser Fakten, - so, wie es vielen anderen Personen geht. Es erhebt die Information in meinen Posts keinen Anspruch auf absolute Gültigkeit. Sie ist vielmehr die Wahrnehmung einer Möglichkeit, einer Perspektive und Ansicht auf eine Gegebenheit, der wir ausgesetzt sind. Ich versuche aufzunehmen, dass es nicht mehr so einfach ist, zu entscheiden, was richtig und falsch sei. Einst und in der Aufklärung, - bis jetzt! Einst nahm diese Rolle die Wissenschaft wahr. Doch sie scheint inzwischen von vielen Seiten her korrumpierbar und interessengeleitet. Grund zur naiven Wissenschaftsgläubigkeit bietet sie in letzter Zeit jedenfalls relativ wenig. Politische Entscheidungsträger sollten sich auf die Wissenschaft stützen, heißt es oft. Doch unter diesen Bedingungen könnte dies ein schwieriger Job sein, zumal auch die Politik selbst (z.b. EU) Einflussnahmen unter bestimmten Interessen ausgesetzt ist. Dass sich diese als wissenschaftlich kaschiert hat, ist inzwischen bekannt. Untersuchungen werden nahezu beliebig gekauft, wissenschaftliche Titel haben (nur) ihren Preis. Der Publikationszwang unter Wissenschaftlern und die Praxis wissenschaftlicher Fake-Verlage andererseits, scheinen hier zudem ungünstige Einflüsse auszuüben oder versuchen offenbar mit einigem Erfolg, sich dies zunutze zu machen. Andere meiner Postings in diesem Blog sind hingegen sehr subjektiv, zeichnen ein Bild aus meinen Augen, sind von mir gefärbt und getränkt. Sie kommen sehr erkennbar aus dem Subjektiven, könnten genau darin jedoch etwas Allgemeingültiges haben, etwas, was sich verlängern ließe ins Gesellschaftliche. Ich wechsle also die Perspektiven, fühle mich tatsächlich auf einer „Reise durch die Wirklichkeit“.

Sonntag, 6. Juli 2025

Urlaub vom Reisen

Ob sie jetzt alle weg sind? Auf Reisen? Ausgerechnet jetzt? Wetter, Seele baumeln lassen, Betriebsferien. Wir erfahren etwas über die Welt und uns, so heißt es. So wird uns versprochen. Doch das setzt auch eine gewisse Neugier voraus. Ein Bestreben, sich von den allgemeinen Trampelpfaden abzusetzen in Richtung auf etwas Individuelles. Blöd nur, dass sich das inzwischen viele derer versprechen, die etwas von sich halten und die es sich leisten können. Ja, das Reisen selbst ist längst zu einem Statussymbol geworden. Individualreisen? Wer`s kann. Waren im 17. , 18., 19. und 20. Jahrhundert Reisen noch einer gewissen gesellschaftlichen Schicht vorbehalten, so ist das Genre inzwischen zum Massentourismus geworden, das Versprechen einer individuellen Erweiterung des Horizonts und unverbindlichen Bespassung ist vervielfältigt – was sich unter anderem in der Masse der verschiedenen, für jeweilige Zielgruppen abgefassten Reiseführer zeigt, die sich an ein mit einer gewissen Neugier ausgestattetes Publikum wendet. Dessen Hedonismus scheint nur jeweils schichtenspezifische Ausprägungen anzunehmen. Die Masse der Urlaubsreisenden freilich scheint sich mit dem Aufsuchen verschiedener allgemein anerkannter „Sehenswürdigkeiten“ und sozialmedial ausgerufener TicToc-Ziele zu bescheiden, die ein längst sozialisiertes und an finanzielle Leistungsfähigkeit geknüpftes Begehren einzulösen versprechen. Die Suche nach dem „Authentischen“ und „Ursprünglichen“ ist da zu einer massenhaften Tätigkeit geworden. Dadurch etwas über die Welt erfahren, ein Bewusstsein ihrer Vielfalt zu erlangen, unsere Grenzen zu überschreiten, könnte dahinter stehender Wunsch, ein Begehren und ein gewisses Bedürfnis sein, das dahinter aufscheint. Selbstoptimierung ist dabei angesagt. Anderen davon erzählen. Im weltläufigen Ego erstrahlen. Es gilt, Aufklärung über „die Welt“ erlangen, gerade in Zeiten einer ungezügelten Globalisierung. Pech, dass das aber viele wollen, das all die Lehrer dieser Welt von diesem Bedürfnis getrieben sind. Ich ließ mich von dem Bedürfnis treiben, mich durch Zusammenhänge, die ich bisher nicht kannte, zu bewegen. Ihre allgemeine gesellschaftliche „Relevanz“, ihre Historie, ihren Ort im größeren Zusammenhang erschloss ich mir meist nebenher oder im ruhigen Rückblick. Meist mit den wichtigsten Fakten ausgestattet, konnte ich das Anderssein dieser Gegenden in jeder Hinsicht genießen. Dass man am Ende am selben Buffet im Hotel steht, dass man sich am Flughafen einreiht in die Masse der (jede Flugscham leugnenden) Wartenden, dass man sich im Angesicht gewisser „Sehenswürdigkeiten“ gegenseitig auf die Füße tritt, nahm ich hin als Teilnehmer einer Massenkultur, als derjenige, der eintaucht in Zusammenhänge, mit denen er ansonsten nicht befasst ist.

Samstag, 5. Juli 2025

Rituale

Quellen und Moore galten den Germanen als Zugänge zu den unterirdischen Mächten und Übergänge zwischen den Welten. Und das bis ins 5. Jahrhundert nach (!) Chr. Geb. Den Göttern wurde dabei der kostbarste Besitz geopfert. Dabei gab es Rituale und Prozessionen, von denen wir heute nur Ahnungen haben. Mit ihren Gaben bedankten sich die prähistoriscen Menschen bei ihren Göttern, die an einigen Orten sogar Gestalt annehmen konnten. Sie standen dabei etwa als Fruchtbarkeitsgottheiten in Form von seltsame Skulpturen meist in der Nähe eines Opferplatzes. Es scheint mit großer Sicherheit so, dass ihnen auch Menschen geopfert wurden. Bisher wurden in Europa etwa 1000 Moorleichen gefunden, perfekt erhalten im sauerstoffarmen Milieu. Diese Körper weisen manchmal Mehrfachtötungen auf, die unweigerlich an Opferrituale erinnern.

Freitag, 4. Juli 2025

Anfangs

Es gab in der Rockmusik früher oft fein ziselierte Klänge/Klangebilde und lyrische Zeilen, die man auch für „romantisch“ hätte halten können. Der romantische Künstler scheint dabei in vielerlei Hinsicht das „Role Model“ dafür abgegeben zu haben. Betonung der Individualität, Befreiung der Bedürfnisse, Kritik an der Konsumgesellschaft und dem, was als „normal“ verkauft wird, Spießertum, Kleingeisterei u.ä. Bei genauerem Hinsehen war dieser romantische „Effekt“ jedoch allzu oft beabsichtigt und sollte auf der Ebene dahinter oft genug dem Zweck der Umsatzsteigerung dienen. Dass die Künstler oft selbst empfindsame Geister waren, wurde da gerne in den Dienst genommen, weil die „Fans“ ja an solche Haltungen und Gegebenheiten von Künstlern glaubten. Sie wurden oft genug (und manchmal auch zu Recht) als hochsensible Geister angesehen, die einem brutalen Materialismus ausgeliefert waren. Blöd nur, dass es nicht wenige „Künstler“ auf diesem Terrain gab, die sich in den von der Gesellschaft propagierten Reichtum, in Villen, Schlösser, Yachten und Nobelkarossen flüchteten. Unbemerkt waren sie auf diese Weise in die Fänge der brutal materialistischen Kräfte der Gesellschaft geraten. Im Nachhinein wurde dies mit allerlei Rechtfertigungsstrategien versehen: kreative Geister von solchem Format sei so etwas nachgesehen und es ginge ja überhaupt um das Ringen um Anerkennung, um sozialen Status, der dadurch zu erreichen war. Es ging um Mimikry, um subversives Verhalten, um ein Einschleichen in soziale Rollen, - letztlich um so etwas wie den „Marsch durch die Institutionen“. Die dabei auftretende Deformation des Bewusstseins, die Korruption durch das „große Geld“, all dies wurde schulterzuckend zur Kenntnis genommen.

Mittwoch, 2. Juli 2025

Klarheit

Was ich entdecke, weil ich eine Art „Investitur“ mache: Ich habe etwas aufbewahrt, dem ich über die Jahre hinweg so etwas wie eine Präferenz zumaß, an dem ich anderes maß, bewusst und unbewusst. Über lange Jahre hinweg war Sandy Denny trotzdem nicht an meine Ohren getreten. Sie war kein musikalisches „Fast Food“, das zu hören ich oft gezwungen war. Aber jetzt, die Sandy Denny-Kassette „A boxful of Treasure“ („eine Kiste mit Kostbarkeiten“). Ich erinnerte mich, dass mir damals Wege gezeigt wurden, Arten, wie man etwas ausdrücken kann. Ben, ihre Lieder, teilweise unveröffentlicht und Live-Mitschnitte. Ein unprätentiöser fast bäuerischer Gesang eines Engels der Klarheit. Ich habe mir in Erinnerung gebracht, was mich immer schon bewegte: Dieses uneitle Singen, niemals auf massenhaftem Gefallen abgestimmt, nicht auf „Verkaufen“ abgerichtet, sondern eine angestrebte Übereinstimmung mit sich selbst. Da sind diese langsam sich entwickelnden Balladen, die dem in Deutschland herrschenden Zeitgeist fremd blieben. Sie machte sowas auch als Sängerin für Fairport Convention und deren zahlreiche Splittergruppen. Sie sang einmal für Led Zeppelin. Die sich ziehenden Verläufe, die einem das Zuhören abnötigen, bevor sie einem etwas geben. Auf dass man mit Perlen beschenkt werde. Dieses unbeirrte „in eine Richtung gehen“. Dieses „identisch mit sich selbst“ sein wollen. Sie hat in ihrem Leben viel Pech gehabt. Soll schließlich eine Treppe herabgestürzt und gestorben sein. Sie schien manchmal ins Unglück verliebt zu sein, melancholisch sinnierend, über sich hinaus schauend, eine große Klarheit ausstrahlend. Sie schwelgte, so scheint es mir wieder, nie in Übertreibungen, sondern blieb bescheiden direkt. Sie pflegte ihre spezielle Art der Konzentration und Ernsthaftigkeit. Ihre Lieder waren menschlich individuelle Äußerungen, nicht Ergebnis eines kollektiven Zielens auf Zuspruch. Ihre Version der Leidenschaft, ihr Brennen waren ihr Ausdruck. Sie spielte mit dem Bekannten und mit dem Unbekannten. Mit „Ecoute, ecoute“ sang sie gar einen kompletten Song auf Französisch. Sandy Denny hat an Wände gespielt und die Abpraller kamen auf uns. Wir sollten damit natürlich umgehen. Da war kein Protzen, kein „Sich verkaufen“. Vielmehr so etwas wie ein „Hier steh ich und kann nicht anders“. Introversion statt Extroversion. Ein „In sich gekehrt sein“ und weniger ein „aussich heraus gehen“. Nicht dieses zeitweise etwas verlogene Zusammenrücken am Lagerfeuer, sondern die musikalisch umkreiste Einsamkeit, das Leid. Und ihre Stimme. Das ein verborgenes Juwel aus dem Schatten heraus leuchten ließ. Da ist noch kein „einer möglichst großen Masse von Leuten gefallen“, da sind noch nicht die Meuten an Managern, die alle was ab haben wollen, die Berater, Experten und Parsiten. Stattdessen ist uns eine große Klarheit geschenkt.

Dienstag, 1. Juli 2025

Kling Klang

Wer sagt denn da, das mit Hifi sei am Ende? Auch ich habe mal klein angefangen und erinnere mich: Was für ein „ärmlicher“ Anfang war denn das? Ich war froh, überhaupt Sound über zwei Boxen stereo hören zu können. Dabei war ich überzeugt, dass dies Equipment Marke Eigenbau (von einem Bekannten realisiert!) so schlecht nicht war (was ich bis heute denke...)……. Man hörte darauf nahezu alles ab, entwickelte eigene Maßstäbe, passte sich den Gegebenheiten an und maß ihm eine persönliche Wichtigkeit zu. Mit der Zeit und über Umzüge hinweg wurde man dann doch anspruchsvoller. Eines Tages war man auch bei einem damaligen Kollegen eingeladen, der über eine Hifi-Anlage hörte, die wohl im hohen fünfstelligen Bereich gekostet hatte und der unbedingt mein „Urteil“ über seinen Fetisch hören wollte, auf den er doch so stolz war. Natürlich war dieser Mensch schon damals (Exklusiv!!) auch ein Vinyl-Fanatiker, was ich mir in dieser Form niemals hätte leisten können. Man legte sich in meinem Fall dann aber doch „richtige“ Boxen zu (was damals noch leicht möglich war), die besonders in Bezug auf Lautstärke besser waren und einem neue Möglichkeiten eröffneten. Auch das Hören bei einem Verwandten in der Schweiz zeigte mir auf, was möglich ist. Ich hätte tagelang diesem Sound zuhören können, mochte klassische Musik auf diesem Weg ganz besonders und hing deshalb lange bei ihm herum. Alleine schon aus beruflichen Gründen sah man sich dann in der Lage, über eine neue, bessere Anlage hören zu sollen. Dem eine große Priorität einzuräumen, lag ja auf der Hand. Es war ein Ziel, auf das man damals sparte und das man dann auch realisierte. Die Rock- und Popmusik war damals in einer Phase, in der sie stark von den Möglichkeiten des Studios und der Technik bestimmt schien. Für mich taten sich (last but not least dadurch!) immer eindrucksvollere und komplexere digitale Räume auf, was natürlich in der Wohnstube in einer adäquaten Qualität reproduziert sein sollte. So etwas hörte ich in Vertretung oder ganz „authentisch“ mit den Ohren eines „Liebhabers“ in stiller Konzentration. Oder wollte ich den Sound eines Jedermann mithören (für den Gebrauch, für’s Nebenher hören)? Dieses „Umschalten“ von Perspektiven verlangte ich von mir als Journalist. Ich war flexibel, - das immerhin. Mal wieder spürte ich in mir: beides. Integrieren. Vereinen. Ich hörte natürlich immer über das bestmögliche Equipment. Man wollte die Fülle, man wollte alles, was ging…. Im Augenblick kann ich nur hoffen, das nichts von dem Digitalen kaputt geht und sich nicht seltsame Komplikationen auftun. Mir wird aber klar, dass es für mich um das Hören in bestmöglicher Qualität geht, nicht um diese reduzierte Form des Streaming. Es verlangt mich nicht danach. Herab transformierte Klangwelten? Das nicht.